
Andal: Ich bin bald 44 und komme aus dem äußersten Südosten Bayerns und dieses Jahr feiere ich mein 40tes Anglerjubiläum. Seit etwa 10 Jahren habe ich mich beinahe ausschließlich den Friedfischen verschrieben. Die Barbe nimmt dabei eine besondere Stellung ein. Fischen tu' ich schwerpunktmäßig in der oberen Alz. Meine Aktivitäten kann man auf meiner HP www.fischfaenger.de und www.angler-online.de verfolgen.
Oliver: Ich heisse Oliver Stratmann, bin 33 Jahre alt und fische seit etwa 10 Jahren mit der Kopfrute auf alles was Flossen hat, von Aal bis Zander. Unter anderem und mit besonderer Freude und Hingabe auf Barben. Mein Heimatgewässer ist die Weser im Raum Minden. Näheres über meine Fischerei auf www.der-elsestipper.de
Jens: Sieht aus, als würde jeder von uns in sehr unterschiedlichen Gewässern fischen. Vielleicht können wir die Strecke(n) mal grob beschreiben?
Der Rhein teilt sich hier stellenweise in zwei parallele Arme in Breiten von 120m- ca.400m und ist sehr stark von Schiffen befahren. Ständige Änderungen der Strömungsgeschwindigkeit machen es oftmals schwierig zu fischen, da die Körbe dann rollen wie verrückt (wenn nicht von einer Barbe gestoppt, was sehr oft bei stromauf fahrenden Schiffen vorkommt). Gewässertiefen auf von mir bevorzugten Plätzen liegen von 1,5m-3m , in tieferen Stücken lauern scheinbar nur Brassen?
Andal: Ich fische hauptsächlich in der oberen Alz. Sie ist der Ablauf des Chiemsees. Hier sind mir die Stellen unterhalb vom Truchtlachinger Wehr und der Ablauftrichter des Chiemsees am liebsten. Allerdings sind gleich am See die Angelplätze recht unkomfortabel und wegen dem Segelhafen praktisch nur am Abend und dann bis Angelschluß befischbar.
Für die Stelle unterhalb des Wehres muss man etwas marschieren und waten. Dafür ist man dann den lieben langen Tag alleine und hat den tiefen Gumpen und verschiedene Flachstellen zur Verfügung. Der Platz zwingt zu sparsamen Geräteeinsatz.

Andal sieht man schon an das er sich beim Fischen ganz gut entspannt ;)
Oliver: Die Weser in „meinem“ Abschnitt zwischen Vlotho und Nienburg hat in den vergangenen 15 Jahren radikale Veränderungen erfahren. Die einstmals hohe Salzfracht aus der Werra ist mit dem Zusammenbruch der Salzproduktion in der ehemaligen DDR innerhalb kurzer Zeit auf ein Minimum zurückgefallen. Die Mikrofauna, die sich seit langem auf den hohen Salzgehalt eingestellt hatte kam mit den sich plötzlich verändernden Bedingungen nicht mehr zurecht, was einen fast vollständigen Zusammenbruch der Nahrungskette zur Folge hatte. Langsam erholen sich seit zwei drei Jahren die Bestände und das massenhafte Vorkommen an Bachflohkrebsen lässt auch auf eine fischreichere Zukunft hoffen. Strukturell ist die Weser in meinem Wirkungskreis sehr interessant. Wir haben die Auswahl zwischen langsamen und schnellen, tiefen und flachen, Abschnitten mit Buhnen und solchen mit Stromkanten. Der Gewässerboden ist meist schlammig/sandig mit grösseren Steinen und ausgedehnten Muschelfeldern. Einige schnellere flachere Innenkurven haben sehr schöne Kiesbetten aufgeschüttet. Die Aussenkurven sind meist mit groben Steinschüttungen gesichert. Der Fischbestand setzt sich ähnlich zusammen, wie anderen grossen Strömen. Besonders aber die Aland- und die Barbenbestände sind auf dem aufsteigenden Ast.
Andal: Wann gehts bei euch wieder los?
Hier bei mir ist leider alles fest im Griff von Väterchen Frost. Es scheint zwar die Sonne, aber wir haben aktuell (08.01.06 13.47 Uhr) - 6,5° C und es liegt ein sehr guter Meter Schnee. Da bleibt nur das Planen und Hoffen auf eine gute neue Saison.
Je nachdem, wie sich der Winter und die Schneeschmelze so entwickelt, kann ich so ab Mitte/Ende April die ersten Ausflüge an die Alz machen. Dann allerdings ist bis zum Beginn der Schonzeit (01.05. - 15.06.) auch eine echter Höhepunkt beim Barbenfischen. Sie stehen in vollem Saft und sie sind in Bewegung... ich auch. Vor allem mit rollenden Montagen in den flacheren Bereichen, den Gleithängen und an Ende der Rauschen.
Nach der SZ, wenn das Kraut schon hoch steht, ändert sich einiges!
Jens: Ich fische das ganze Jahr durchgehend (von der Schonzeit mal abgesehen). Das Rhein-Main Gebiet ist gegen Bayern dann wohl ne Südseeinsel, da wir kaum unter 0 bekommen ;) An der Winterstelle kannste die eine oder andere erwischen, ist aber natürlich sehr ernüchternd wenn man an den Herbst zurückdenkt. Eine andere Möglichkeit ist der Warmwassereinlauf des KKW Biblis, welchen wir jetzt das erste Mal befischt haben. Dort kommt fast so was wie Sommerfeeling auf was die Wassertemperatur betrifft. Da läuft es dann natürlich wesentlich besser als im normalerweise 7 Grad kalten Rhein.
Oliver: Die anhaltende Trockenheit und das damit verbundene sehr klare und flache Wasser führten zu einer eher schlechten Herbstsaison. Die ersten winterlichen Niederschläge brachten Wasser und damit den Barben einen ordentlichen Appetit. Die letzten 4 Wochen mit Ausnahme der wenigen Frosttage waren damit die Produktivsten seit langem. Wer mit der richtigen Futtertaktik und vor allem an den richtigen Stellen fischte konnte fünf und mehr Barben an einem Morgen fangen. Ich gehe davon aus, das die Aktivität der Barben für die nächsten zwei bis drei Monate deutlich zurückgeht um dann kurz vor der Schonzeit wieder anzuziehen. Grundsätzlich kann man bei uns aber das ganze Jahr hindurch Barben fangen mit signifikanten Hochzeiten im Herbst und vor der Laichzeit.
Jens: Wie sehen eure Sommer-Winterstellen aus?
Fische eigentlich nie in wirklich langsamen Bereichen. 80% des Jahres in der Fahrrinne und die 20% bei Winterwitterung in Strömungsschatten, welcher allerdings immer noch mit 80-100g Blei befischt werden muss. Häfen und Altarme haben mir bislang noch nicht wirklich was gebracht.
Andal: Die obere Alz ist mit Ausnahme zweier Wehre weitestgehend naturbelassen und unverbaut. Steinschüttungen gibt es keine. Ich befische vom Frühjahr bis in den Spätsommer bevorzugt die Gumpenausläufe und die Enden von schnellen Gerinnen. Erst im Herbst, wechsle ich auf Bereiche mit tieferem Wasser. Der Flussgrund hat hier teilweise sehr tiefe Züge und überhängende Ufer, besteht in weiten Teilen aus Nagelfluh (eine Art Naturbeton, der leider messerscharfe Kanten aufweist). Das führt unter Wasser zu regelrechten Höhlen, die die Barben dann gerne als Quartier aufsuchen. Hier kann man dann direkt unter den eigenen Füßen fischen.
Grundsätzlich kann man sich saisonal bei der Platzwahl darauf verlassen. Jedoch spielt auch die Witterung eine große Rolle! Durch den Chiemsee gibt es richtige Hochwasser eher sehr selten und dann mit einer Verzögerung, da der See mit seinen 80 km² enorme Pufferwirkung hat. Trübes Wasser ist daher auch recht selten. Das klassische Floodwaterfishing findet somit hier nicht statt.
Oliver: Ich möchte mich nicht nur an der Jahreszeit orientieren und beziehe vor allem die Trübung des Wassers in die Wahl des Angelplatzes ein. Je trüber das Wasser, desto flacher sind meine Angelstellen.
Im Frühjahr bis zur Laichzeit finde ich die Barben zumeist im schnellen flachen (1-1,5 m) Wasser, im Sommer stehen sie in den tiefen Aussenkurven und im Herbst fangen wir die Barbe vermehrt in der Nähe der Muschelbänke in langsamerer Strömung. Im Winter war ein Kraftwerkszulauf über Jahre ein sicherer Barbenplatz, bis dieser für die Fischerei gesperrt wurde. Grund der Sperrung waren einige tja.. als Angler möchte ich sie nicht bezeichnen - also einige Leute die dort nach Alkoholexzessen alle Fische unabhängig von Art, Schonzeit oder Schonmass abgeschlachtet haben, um dann auch noch ihren Unrat am Wasser liegen zu lassen. Aber zurück zum Thema: Im Winter habe ich schon sehr gute Barbenfänge im hinteren Bereich eines Buhnenkopfes verzeichnen können. Eine Stelle, die nicht einfach zu befischen ist und besondere Anforderungen an das Gerät und den Angler stellt.
Wie präpariert Ihr Eure Angelstellen?
Andal: Da ich es zu meinen Angelplätzen doch etwas weiter habe (ca. 30 Autominuten) füttere ich mir keine Plätze vor. Bleibt also nur das Füttern direkt vor dem Fischen und währenddessen. Hier halte ich es auch mit den Engländern und bevorzuge pure Maden und fermentierten Hanf, gelegentlich auch Aufzuchtpellets aus der Forellenzucht. Ausgebracht wird das Futter per Schleuder und natürlich mit dem Madenkörbchen.
Jens: Ich fische den guten alten Feederstil allerdings mit zwei Ruten und haue je nach Jahreszeit einiges an Grundfutter (Fertigmischung für Flüsse) raus. Fange damit zwar eigentlich auch ohne Vorfüttern, bin momentan allerdings in der Testphase von wegen Vorfüttern mit Partikeln. Ist zwar jetzt nicht die beste Jahreszeit für, aber ein Versuch ist es wert. Wenn ich dann halb so viele Bisse bekomme wie von diversen Karpfenanglern berichtet, wäre es schon super. Diese berichten von wahren Fressorgien solange nur genug gefüttert wird (Herbst).
Oliver: Ich präpariere meine Angelstelle grundsätzlich erst mit dem Angelbeginn und füttere dann reichliche Portionen Futter. Als sehr erfolgreich hat sich auch das Füttern von Madenkuchen ala Michael Schlögl herausgestellt. Die Aromen und die Farbe des Futters passe ich der Jahreszeit und den Bedingungen am Angelplatz an.
Aber kommen wir zum zentralen Punkt unsrer Diskussion: Mit welchen Methoden und welchem Gerät geht Ihr auf Barbenjagd?
Jens: Ich fische die Browning Syntec XXL Feeder 4,2m WG180, Shimano Baitrunner GTE 6000, 25er Stroft, Powergum, meist JD`s-Krallenkörbe und 22er Vorfach (mittlerweile meist mit Madenbündel am Haar). Haken nehme ich momentan am liebsten den Pro-Barbel von Robinson, da ich schlechte Erfahrungen mit den mist sehr weichen Matchhaken habe. Fische mit 2 Ruten auf dem Rod Pod und decke damit meist 2 Futterplätze ab. Denke aber gerade darüber nach etwas von der Feeder wegzukommen, da ich die feine Bissanzeige eigentlich nicht brauche (Fluchtbisse). Dann kommen evtl. meine alten 13ft 1,75lb Karpfenruten wieder mal zum Einsatz. Einsatzbereich sind dann natürlich auf eher ruhige Stellen und sehr kurze Distanzen beschränkt.
Bin neugierig was Oli zu dem Thema Barben und Kopfrute zu berichten hat, da ich manchmal Kollegen sehe, welche mit der Kopfrute fischen und schon von recht kleinen Barben schwer beschäftigt werden. Manche sagen auch bis 4 Pfund geht es einigermassen.
Andal: Bei mir geht es eine ganze Ecke leichter her.
Fürs Fischen mit kleinen Futterkörben und Madenkörben, oder auch mit rollenden Montagen benütze ich eine Fox Specialist 12' 1.00 lbs. mit einer Mitchell Full Control 2007, sowie eine Cormoran Speciland Barbel Special mit einer Colmic Nitro Match 3000. Beide Ruten haben sowohl eine reguläre Spitze, als auch eine mit fest eingesetzter Zitterspitze, die ich beinahe ausschließlich benütze. Wenn es schwerer wird nehme ich die Ultimate Novell Barbel 11'9“ 1.50 lbs. und die Drennan Carp Light 12' 1.75 lbs..
Bei den Schnüren kommen bei mir die Stroft GTM und die Dega Centron in Durchmessern von 0,16 bis 0,25 mm zum Einsatz. Das sind Leinen, bei denen ich mich auch darauf verlassen kann, dass sie halten, was sie versprechen! Bei den Haken habe ich auch einen ganz klaren Favoriten. Den Kamasan B983 „Wide Gape Specialist“ in Größen zwischen 4 und 14; ganz abhängig von den Ködern.
Oliver: Wie Jens schon erwähnt hat angele ich gezielt mit der Kofprute auf Barben und natürlich muss die Ausrüstung der Kampfkraft der Barbe angepasst sein.
Angeregt durch einen Zeitungsbericht über die englische Carp-pool-Fischerei habe ich mir für die ersten Versuche mit der Kopfrute auf Barbe zu fischen
eine vergleichsweise billige Carp-Pole (Colmic-Atomicarp) zugelegt und einen 1,8 mm starken Gummizug eingebaut. Mit 20er Hauptschnur und 18er Vorfach konnte ich so durch den Gummizug schon Barben bis 8 Pfd sicher landen aber die Entwicklung ging noch deutlich weiter. Heute fische ich eine Mosella Xedion 03 mit Hohlgummizügen bis 3,1 mm, dabei kann ich 25er Hauptschnüre und 22er Vorfächer einsetzen. Die Posen müssen eine Schnurinnenführung haben, alles Andere überlebt den ersten Barbendrill nicht. Auch die Haken müssen kompromisslos stark und scharf sein, ich fische meist den Drennan Barbless Carpfeeder. Bei den Montagen reicht die Palette von einfachen Stippmontagen, über Tunkmontagen bis hin zu Tunkmontagen mit bis zu 80 g schweren Futterkörbchen (an der Kopfrute wohl gemerkt).
Von zehn gehakten Barben verliere ich höchsten 1-2 und seltenst durch Schnurbruch, wer einmal einen solchen Drill an der Kopfrute gesehen hat, den lassen diese Bilder nie wieder los.

So sieht es bei Oliver aus, wenn er alles installiert hat ;)
Jens: Da wir es gerade schon von Gewichten hatten, wie groß sind denn die bei euch vorkommenden Barben im Schnitt und wo liegt die Obergrenze (speziell in der Alz, was ja ein recht kleines Gewässer ist)?
Ist bei uns sehr stark von der jeweiligen Angelstelle abhängig, aber an einer guten sind die Fische im Schnitt über 60cm, übersteigen aber die 69cm zuverlässig so gut wie nie. Klar gibt es im Rhein noch ganz andere Kaliber (ein Kollege reichte mir gerade eine Fangstory von einer 13Pfd Barbe ein), doch das sind echte Ausnahmefische. Hoffe insgeheim dieses Jahr mal eine über 80cm auf die Schuppen legen zu können ;).
Andal: Nun ja, so klein ist die Alz auch wieder nicht. Schließlich entwässert sie den Chiemsee und mißt direkt an ihrem Anfang an der Seebrucker Brücke 100 m Breite. Im weitern Lauf sind es durchschnittlich 60 - 70 m. Unterhalb des Truchtlachinger Wehre auch öfter mal in einzelne Läufe verzweigt. Da haben deutlich kleinere Flüsse im Angebot, die auch einen Barbenbestand aufweisen können.
Die maximalen Größen liegen an der Alz so um die 70 cm, wobei ich mir sicher bin, dass sich auch noch eine größere Barbe herauskitzeln lässt. Barbenfischen genießt hier kein großes Ansehen, schließlich handelt es sich ja um keinen Edelfisch. Vermutlich gibt's an der Alz doppelt so viele Wallerangler, wie Barbenfischer.
An den kleineren und von mir nur selten befischten Flüssen und Bächen (Isen, Große Sur und die Achen (Ablauf des Wagingersees)) sind Barben mit 60 cm das obere Ende der Fahnenstange. Hier dominieren auch die Döbel die Szene, die hier noch weniger anglerische Anerkennung genießen und ähnliche Größen erreichen.
Oliver: Durchschnittlich liegen die Barben in der Weser bei 2-3 Kilo, die 4 Kilo-Marke konnte ich im vorletzten Jahr zweimal und in 2005 einmal brechen.
Es sind auch schon Fische jenseits der 9 Pfd-Grenze gelandet worden. Da solche Fische hier sehr beliebt sind, halten sich viele gute Angler aber mit
ihren Auskünften über Technik und Fangplatz sehr zurück. Bei uns wird fast ausschliesslich mit Maden gefischt und gefangen, selten werden Tebos oder Pellets beködert und der klassische Barbenköder Käse ist so gut wie nie am Wasser zu sehen, worauf fang Ihr?
Jens: Auch fast ausschließlich mit Madenbündeln, werde diese Saison jedoch mehr mit Pellet und Boilie fischen. Käse funktioniert hier auch (bei Kollegen), ist den Madenbündeln aber niemals gewachsen. Wer viel fangen will nimmt Maden. Größere sind aber vermutlich mit Boilie zu fangen.
Andal: Der sicherste Köder ist auch hier ein schönes Bündel Maden in Verbindung mit einer reichlichen Madenfütterung per Feederkorb. Auch ein Wurm, oder schwarze Schnecken werden gerne genommen. Letztere sind halt eine arge Schleimerei. Käse geht überhaupt nicht. Damit fängt man eher einen der seltenen Flusskarpfen, als eine Barbe. Bei Boilies und Pellets muss es sich in der kommenden Saison erst noch zeigen, was sie hier bringen.
Jens: Wie ist eure Meinung bezüglich Grundfutter für Barben und Lockstoffe?
Finde es immer ganz amüsant, wenn die Sprache auf Barben kommt. Es kommt dann immer das Thema Käse und Fleisch giftig. Obwohl viele meiner Mitangler mit Käse und Käsearoma fischen und auch ihre Fische fangen, komme ich nicht auf die Idee was mit Käse bzw. Käsearoma anzuleiern. Ich benute ganz gewöhnliches Brassenfutter welches nach Karamel oder Gewürz riecht und fange damit eigentlich ganz gut. Natürlich versucht die Industrie uns Barbenangern ihr Spezial-Barbenfutter mit auf den Weg zu geben. Da dies aber dann pro Kilo gerne die 3€ überschreitet und dort wo es eh keine Barben gibt auch keine anlockt, braucht es meiner Meinung nach kein Mensch. Dennoch sprühe ich in Beisspausen auch mal irgendein Geruchsstoff auf den Korb und wenn dann was beisst, ist dies natürlich nur dem Spray zuzuordnen ;).
Andal: Da, wie schon bei den Ködern gesagt, Käse hier nur die Döbel auf den Plan ruft, scheidet dieses Aroma für einen gezielten Barbenansitz schon mal aus. Trotzdem verwende ich es ab und zu. Ich reichere damit das Fließwasserfutter von Morefish mit dem Aromaspray der gleichen Marke an. Grundsätzlich ist aber das Madenkörbchen mein Favorit. Fische ich mit rollenden Ködern, dann fliegen immer wieder ein paar Schüsse Maden, oder sinkende Caster per Madenschleuder ins Wasser. Ich habe auch versucht, die Maden mit „Wurmspray“ zu tunen, konnte aber keine wirklichen Unterschiede feststellen, außer das meine Finger eigenwillig rochen.
Oliver: Ohne Grundfutter komme ich auch bei mir an der Weser nicht weit, wenn ich gezielt Barben fangen möchte. Die Basis für mein Grundfutter bildet meist das Explosiv von Mosella aber auch mit dem Favourite DM 2003 habe ich schon gute Erfahrungen gemacht. Entgegen der Meinung vieler Sportsfreunde halte ich wenig von Käse im Futter und arbeite meist mit den Aromen Fisch/Muschel (Mosella), Zimt (Natürlich), Vanillie (CM) oder Praxx (Mosella). Lebendköder setze ich dem Futter selten zu und füttere stattdessen regelmässig Madenkuchen nach.
Das Futter soll die Barbe an den Angelplatz bringen und der Madenkuchen hält den Fisch am Platz. Eine Methode, die sich auch am Rhein schon oft bewährt hat.
Jens: Was ist denn der Madenkuchen (sorry wegen der Bildungslücke;)?
Oliver: Madenkuchen besteht aus etwa 2 Teilen Aquarienkies/Split und einem Teil Maden. Die Bestandteile werden separat mit Madenkleber bzw. Gummi Arabicum angesetzt , befeuchtet und gut miteinander vermengt. Vor dem Einsatz wird die Mischung gepresst, so das die Maden sich ruhig verhalten. Im Wasser sinkt dieser Kuchen sehr schnell ab, liegt wie ein Stein am Grund und löst sich langsam auf. Damit werden über einen längeren Zeitraum konstant Maden freigegeben. Das hält die Barben besser am Platz als das abtreibende Grundfutter.

Und so sieht es aus, wenn man ein hässliches T-Shirt anzieht :)
Jens: Welche Einflüsse haben bei Euch Wasserstand, Witterung und Tageszeit?
Andal: Bedingt durch den „Puffer“ des Chiemsees kommt es an der Alz nicht zu den typischen, schnellsteigenden Hochwassern. Trotzdem ist gerade im Sommer die Zeit nach heftigeren Gewitterregen am aussichtsreichsten. Hier vor allem die zweite Tageshälfte in die Dämmerung hinein.
Oliver: Grundsätzlich ist die Barbenfischerei in der Weser bei trübem Wasser und trübem Wetter am aussichtsreichsten. Wenn die Weser noch einen geringfügig höheren oder sogar leicht ansteigenden Wasserstand hat hält mich nichts mehr. Die Temperaturen spielen dann eine untergeordnete Rolle. Passen die Bedingungen suchen die Barben in den flacheren und kiesigen Innenkurven aktiv nach Nahrung und lassen sich sehr gut auch in grösserer Stückzahl fangen. Leider sind solche Idealbedingungen selten.
Jens: Bei wirklichem Hochwasser habe ich keine guten Erfolge vorzuweisen (mancher hätte gesagt keine ;). Fange von sehr niedrigem Wassertand bis ca. 1m über dem Normalstand, dann wird es schwierig. Sehr viel Schmutz macht das Fischen dann nämlich fast unmöglich. Die Barbe scheint mir der einzigste Fisch zu sein, welcher bei strahlendem Sonnenschein wirklich gut beisst. Beste Tageszeit ist Sommer wie Winter (da umso eher) die Mittagszeit zwischen 11Uhr und 14 Uhr. Denke jedoch dass die Uhrzeit sehr gewässerspezifisch ist.
Läßt sich eine Aussage treffen wie „starke Strömung=grosse Barben“?
Ich fange meine guten Barben entweder in der Fahrrinne, oder nah an dieser im Hauptstrom. Sobald ich in Nebenarme gehe werden die Barben im Schnitt wesentlich kleiner. Weiss allerdings, dass einige Kollegen sehr grosse Barben in Nebengewässern des Rheins fangen, denke aber nicht das ein Ansitz auf Barben dort lohnt, da es eher Beifänge waren.
Oliver: Da ich bislang nur sehr wenige kleine Barben unter 35 cm gefangen habe, fällt mir eine Antwort auf die Frage sehr schwer. Zwar habe ich die Kleinen allesamt im Buhnenkessel gefangen, da sind gelegentlich aber auch die Grossen zu finden. In der geraden Strömung konnte ich noch keine kleine Barbe fangen, weder in der schnellen noch in der langsamen Strömung.
Andal: Ja und nein zugleich. Ich sehe da einen Zusammenhang zwischen den bevorzugten Standorten und den Jahreszeiten. Je wärmer es wird, desto mehr stehen sie in der Strömung. Auf meine Verhältnisse bezogen dort, wo der Gumpen, oder Wehrkolk in eine Rausche übergeht. Teilweise sieht man die Fische dann schon von weitem, wenn sie sich beim Fressen am Boden drehen und dabei die Flanken gelegentlich aufblitzen. In solchen Situationen sind sie tatsächlich auch der Größe nach sortiert. Das Fischen ist dann nicht leicht, denn im Flachwasser sind sie natürlich auch schnell verschreckt und anschließend etwas eingeschnappt.
Grundsätzlich findet man die größten Barben aber dort, wo strukturbedingt auch die meiste Nahrung konzentriert ist, was dann auch wieder saisonal abhängig ist.
Jens: Wie behandelt Ihr die Barben nach dem Fang?
Andal: Vom Hältern bin ich nicht so sehr angetan! Zum einen, weil es bei mir die Strömung an den Angelplätzen nicht zulässt; die Fische würden zu sehr in den Setzkescher gepresst werden und zum anderen ist es nach dem bayr. FiG strikt untersagt, Fische zu hältern, um sie anschließend wieder im gleichen Gewässer freizusetzen. Ich bevorzuge daher das unmittelbare „entgleitenlassen“ aus der Hand. So lange gegen die Strömung halten, bis der Fisch von alleine wegschwimmt.
Verwerten schließe ich bei Barben grundsätzlich aus, da sie mir zu schade und sind und auch nicht schmecken. Ein einmaliger Versuch, vor vielen Jahren, hat mir da gereicht.
Oliver: Wenn möglich verlassen die Barben meinen Kescher erst gar nicht, ich hake sie darin liegend ab und setze sie mit dem Kescher auch sachte wieder zurück. Vorsicht ist aber bei Schiffsverkehr mit entsprechendem Wellenschlag geboten, da muss sich der Fisch zunächst ein wenig in der Hand erholen, damit er nicht durch die Wellen auf die Steinpackung gedrückt wird. Eine Barbe zu essen kommt für mich absolut nicht in Frage, ein Pferd wird in der Regel auch nicht auf der Wiese eingefangen, gesattelt und geritten um dann im Kochtopf zu landen....
Jens: Mist diese Frage zu einem Zeitpunkt, an welchem ich eh schon brutalen Hunger habe ;). OK. Komischerweise haben unsere Barben immer Schonzeit oder wir verlieren sie nach dem Abhaken. Fragt mich nicht wie die das immer hinbekommen. Denke aber das Wichtigste ist sie so lange gegen den Strom zu halten bis sie selbstständig davonschwimmen. Hatte mal ne Saison, an welcher dieser Vorgang eine Ewigkeit dauerte, so dass man sich schon langsam Sorgen gemacht hat. Letztes Jahr war dies bei keiner einzigen zu beobachten (vielleicht hat sich die Drillzeit auch verkürzt).
Fällt mir gerade was ein, würdet Ihr nicht auch gerne mal nach Spanien fahren um dort auf Barben zu fischen bzw. kennt ihr jemanden, der so was schon mal gemacht hat?
Haben auf unserer Site ja einen Link zur Cipro-Site, auf welcher ein Bericht über diese Monster abgelegt ist. War ja schon oftmals im Ausland auf Grosshecht fischen, doch so ne Barbe wäre dann ja echt mal was Besonderes.
Andal: Wenn ich ganz ehrlich bin, dann würde ich so einen „spanischen Versuch“ schon machen, aber die englischen Flüsse reizen mich mehr. Kennet, Trent, Ouse, Avon, Severn… das hat für mich einen ganz anderen Klang. Und mit rund 10 kg, vielleicht mittlerweile auch etwas mehr, fallen die Objekte der Begierde nun auch nicht gerade auch nicht gerade mickerig aus. Die reine Größe der Fische ist irgendwie nicht der absolute Anreiz, es spielt auch das Umfeld eine gewisse Rolle und da übt das Mutterland des Angelns eben eine ganz besondere Anziehungskraft auf mich aus. So ganz nebenbei könnte man dann auch gleich einen nicht minder reizvollen Bummel durch englische Tackleshops machen!
Jens: Dann danke ich für das informative Gespräch und wünsche ne gute Saison (auch wenn es wettermässig gerade nicht so klasse aussieht ;)