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Interview mit Claus Müller (CM-Lockstoffe)

Jens: Hallo Claus, am besten stellst du dich unseren Lesern mal kurz vor. Viele kennen dich zwar schon, aber so mancher Barbenangler kennt ich vielleicht in der Matchszene nicht so gut aus.

Claus:Hallo,ich bin 43 Jahre alt,arbeite bei der Firma ZF-Getriebe Gmbh in Saarbrüchen und gehe seit meinem 5.Lebensjahr angeln.Auf ziemlich alles was Flossen hat,nicht nur zu Wettbewerben.Mit dieser Art der Fischerei habe ich erst 1983 angefangen.Damals waren übrigens auch Barben in der Saar bei Völklingen ein Faktor ,den es zu beachten gab.

Jens: Bevor ich anfange zu fragen, beschreibe ich am besten mal den Status des Anfütterns in unserer Barbenfischerei. Lockstoffe und Grundfutter spielten bei uns bislang eher eine untergeordnete Rolle. Benutzen ein bekanntes Fertigfutter und richten unsere Hauptaugenmerk eher auf die Konsistenz bzw. das Auflöseverhalten als auf Lockstoffe. Da alle der Crew so verfahren, war bislang auch kein grösserer Unterschied bezüglich Futterwirkung spürbar. In letzter Zeit sitzen wir aber auch oft mit andern Matchfischern an der Strecke und müssen feststellen, dass Futer wohl nicht gleich Futter ist. Fangen zwar noch recht gut, haben aber nicht so viel Fisch am Platz wie die Kollegen. Klar das da jetzt Handlungsbedarf besteht. Sind dann nach ersten Recherchen ziemlich schnell auf deine Produkte gestossen, welche in den einschlägigen Matchforen immer lobend erwähnt werden. Umso besser, dass wir dich für ein Interview rund um dieses heisse Thema gewinnen konnten. Danke vorab hierfür. Wenn wir schon Unterschiede in der Lockwirkung feststellen können, wie gross sind die Unterschiede in den Wettfischen an welchen du teilnimmst? Sicherlich ist da doch fast jeder ein Futterexperte?

Claus:Klar,"Experten" die auch wirklich welche sind trifft man hierbei auch,aber der Wissensstand ansich zu diesem Thema hält sich in Grenzen. Deshalb beantworte ich auch ziemlich viele E-Mails meiner Kunden und auch von anderen Anglern. Mein Vorteil ist die genaue Kenntnis zur Anwendbarkeit meiner Lockstoffe (wie,wann,bei welchem Wetter usw.).Aus diesem Grund kann ich oft einen Unterschied in der Fischmenge auf meinem Futterplatz herbeiführen. Aber der beste Lockstoff nutzt nichts, wenn anglerische Fehler gemacht werden. Futter und Konsistenz sind hier natürlich ein Faktor,der im Zusammenspiel dieser ganzen Dinge eine ebenso große Rolle spielt.

Jens: Ist dieser Unterschied für den Nicht-Matchangler, welcher vielleicht sogar meist alleine geht von Bedeutung bzw. würde ich mit besseren Lockstoffen auch alleine deutlich mehr fangen?

Claus:So generell kann ich das nicht beantworten. Wenn die Fische sich in einer Fressphase befinden(z.B.gleiches Wetter über einen bestimmte Zeitraum etc.)kann man alleine durch anglerisches Können gute Fänge erziehlen wenn man alleine am Wasser sitz. Die Unterschied mit Lockstoffen wirst du dann erst feststellen,wenn die äußeren Bedingungen nicht optimal sind und die Fische zum Fressen bewegt werden mussen.

Jens: Wie testest du ausserhalb von Wettfischen die Wirksamkeit deines Futters? Führst ja wie ich auf deiner HP sehen konnte langwierige Tests durch bevor du was vermarktest.

Claus:Einen Futter bzw Lockstofftest führe ich deshalb über längere Zeit durch,damit überhaupt eine vernünftige Aussagefähigkeit zustande kommt. Ein Lockstofftest muß immer mit dem selben Grunfuttermix durchgefürt werden,unter verschiedenen Wetterbedingungen und an verschiedenen Gewässertypen.Wichtig ist es auch,dass man sich auch mit mehreren ungefähr gleichstarken Anglern hierfür trifft und sich immer in die Mitte setzt.Sonst erhält man kein aussagefähiges Ergebnis.

Jens: Timo ist der Auffassung. dass der Lockstoff ein gutes Futter ausmacht und die Grundmischung nur als Träger funktioniert. Was sagst du dazu?

Claus:Das stimmt so nicht,da die Futtermischung (Mehle) sich erheblich von der Anwendbarkeit durch ihren Eigengeschmack nicht für alle Aromen eignen. Den gewissen KICK einer erprobten Mischung hingegen macht meiner Meinung nach schon ein dazu passender Lockstoff aus.Die Komposition aus Futter und Zusatz bringts.

Jens: Geruchssinn Mensch vs. Barbe: Wirken die Lockstoffe erst wenn der Mensch sie wahrnimmt oder auf den Fisch schon bei sehr geringer Dosierung?

Claus:Auch hier gibt es Unterschiede in einzelnen Aromen Kompositionen. Einige Zusätze wirken fast auf das Nervensystem der Zielfische und sie fangen an zu fressen obwohl sie eigentlich nicht auf Nahrungssuche sind (SUPER COCOS,BRASSEN NR1,GOLD BRASSEN). Diese Lockstoffe muss man nicht stark riechen,damit ihre Wirksamkeit gewährleistet ist. Bei Anderen wie zum Beispiel Frucharomen(TUTTI FRUTTI N1,EDBEERE,TUTTI FRUTTI SPEZIAL) ist die starke Geruchsdurchsetzung in ihrem chemischen Zusammenbau bedingt,denn z.b.Citrusaromen haben die stärkste Durchsetzungskraft gegeüber Eigengerüchen des Futters.

Jens: Wann und woran entscheidest du dich für die Höhe der Lockstoffdosierung?

Claus:Die Höhe der Dosierung hängt ganz entscheidend von der Gewässerqualität und auch vom Einsatz an dem Gewässer mit Lockstoffen generell ab. An manchen Gewässern kann man das Futter zum stinken bringen um die Fische immermehr zu aktivieren,wenn regelmäßig damit geangelt wird und die Fische es gewohnt sind. An nicht so stark befischten Gewässern muß man sich im Rahmen halten.Hier ist eine leicht Wahrnehmung des benutzten Aromas ausreichend. Probieren ist eben sehr viel wert.

Jens: Was passiert wenn Futter zu stark riecht (gibt es das überhaupt)?

Claus: Wenn das Futter mit Lockstoffen überdosiert wird gibt es zwei Möglichkeiten. 1.Du fängst sofort ein paar Fische und guckst dann in die Röhre oder 2.Du bekommst überhaupt keinen Biss. Hier ist die geschmackliche Akzeptanz der Fische etwas überstrapaziert,denn bei Überdosierung werden in der Regel Bitterstoffe frei die mit der Strömung weggetragen werden,aber im Futter selbst vorhanden bleiben.

Jens: Also ist es eigentlich wie immer, dass das beste Material nicht die Erfahrung ersetzt. Allerdings kannst du auf Matchfischen an fremden Gewässern ja nicht sonderlich viel über dessen Eigenarten wissen. Wie gehste dann beim Zusammenstellen deines Futters vor bzw. wie veränderst du es noch stark während des Fischens?

Claus: Ich kenne einige Leute die meinten sich mit Material den Erfolg erkaufen zu können(einer davon geht jetzt nur noch Fliegenfischen),aber das ist Gott sei Dank nicht so einfach.Intuition und das Gefühl für die richtige Situation sind mit das Wichtigste beim Angeln. Bei der Futterzusammenstellung berücksichtige ich zum Beispiel,Fließgeschwindigkeit (falls vorhanden) Fischvorkommen,Wetter etc. ,diese Grundeinstellungen müssen dann ungefähr stimmen um erfolgreich zu sein sonst geht's in die Hose (kommt immer wieder mal vor).Dann kann man durch verschiedene zugaben von Ködern,Wolkenbildern oder Lockstoffen das Gesamtergebnis oft positiv beeinflussen.

Jens: Gibst bei den Lockstoffen sehr genau die Zeilfische an (teilweise sogar deren Grösse). Kann ein Lockstoff denn wirklich so speziell wirken?

Claus: Generell ja.Ich muss aber zugeben,dass man gelegentlich z.B. mit einem Rotaugenlockstoff auch Brassen fangen kann. Die Angaben der Grösse der Zielfische richtet sich nach dem Vorkommen in dem zu beangelnden Gewässer und soll ein Wegweiser für den Benutzer und sein Gewässer sein.

Jens: Barben und Lockfutter. Was fällt dir rund um diese beiden Begriffe ein?

Claus: Extrem gut geeignet für Barben ist meine Futtermischung Rotaugen spezial,da sie recht stark klebt und auch Partikel enthält die diese Bartträger ansprechen.Bei Tests am Rhein bei Koblenz wurden (bei Wettbewerben)im Frühjahr und kaltem Wasser sehr gute Ergebnisse erziehlt.Als sehr fänig haben sich fur Barben Wurm + X ,Mandel spezial und alle Honigsorten erwiesen

Jens: Viele Angler suchen nach dem ultimativen Futter&Lockstoff welcher immer fängt. Den gibt es ja offensichtlich so nicht. Wäre es meistens nicht besser bei bewährtem zu bleiben statt die Angelzeit mit vielleicht schlechtem Futter herumzutesten?

Claus: Da es in der Natur von uns Allen liegt immer mehr und größere Fische fangen zu wollen,ist es ganz normal immer wieder was Neues zu probieren.Jedoch sollte man bei erprobten Dingen bleiben wenns drauf ankommt,dann sind keine Experimente sondern Erfahrung mit den verwendeten Produkten gefragt.

Jens: Gibst auf deiner Website www.cm-lockstoffe.de ja viele Tipps rund um den Umgang mit dem Futter&Lockstoff. Stolperte da über den Begriff aktives Futter. Spielt es im starkfliesenden Rhein eine Rolle (wenn ich davon ausgehe das es sich um aufsteigende Partikel handelt)?

Claus: Bei aktivem Futter handelt es sich nicht nur um aufsteigende Partikel,sonderen um die Art wie sich das Futter bei seiner Auflösung im Wasser verhält Bei recht schneller Auflösung (Hanf oder Erde,Wolkenbilder)und evtl. aufsteigenden oder abteibenden Partikeln spricht man von aktivem Futter. Passives fällt nach einer gewissen Zeit einfach in sich zusammen und liegt tot am Boden,es wird hauptsächlich dann verwendet wenn man Großfische fangen muss aber viele Kleinfisch das Gewässer bevölkern. Was es im Rhein bringt hängt letztendlich wieder von den äußeren Bedingungen und der Fließgeschwindigkeit ab.Auch hier kannst mit beiden Sorten Futter erfolgreich sein.

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