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Interview Jens und Jens

JW (Jens Will): Hallo Jens, hast uns ja schon mal einen Bericht über deine Barbenfischerei zukommen lassen, welchen wir mit diesem Interview sicherlich ergänzen können. Haben uns ja vor einigen Jahren über die englische Barbensite BFW kennen gelernt, doch es bislang nie geschafft mal eine Session abzureissen. Mittlerweile haste soweit ich weiss ja eher auf Salmoniden gefischt, bist aber im Begriff wieder auf was „Richtiges“ zu fischen J. Erzähl mal was zu deiner Person.

JM (Jens Manns): Hallo Jens, naja, ich habe eigentlich immer auf alle möglichen Fischarten gefischt doch dabei immer versucht mir phasenweise bestimmte Spezies "vorzunehmen". Nur durch ein intensives Befischen einer Fischart lernt man wirklich etwas über Lebensweise und Fang.

Stimmt aber schon, dieses Jahr steht die Barbe wieder ganz oben, die zehn Pfund müssen fallen ;-)

JW:  In deinem Bericht hast Du erzählt, dass Du gerne an Bootsanlegern mit Anschluss an die Hauptströmung fischst. Unsere Bootsanleger liegen fast immer direkt in der Hauptströmung und weisen kein besonderes Bodenprofil (Kante)auf? Kannst Du das besondere an deinen Stellen nochmals genau beschreiben (evtl. skizzieren)?

JM: Die Bootsanleger liegen bei uns auch an der Hauptströmung, der Ponton selber bricht allerdings die Strömung stark und hinter dem Anleger bildet sich eine mehr oder weniger ruhige Fahne. Das grosse Problem bei der Strömung ist ja nicht die Strömung am Grund selber sondern die darüberliegenden Gewässerschichten die ungebrochen einen enormen Druck auf die Schnur ausüben.

Meistens bildet sich durch die Schiffsschrauben der anlegenden Ausflugsschiffe eine Vertiefung im Gewäsergrund, in dieser länglichen Rinne fische ich, sie ist meiner Meinung nach Rückzugsraum für die Fische in der trotzdem die starke umliegende Strömung genug Futter liefert.

JW: Wie tief ist es in dieser Rinne bei normalem Wasserstand und wie viel tiefer gegen die Umgebung?

JM: Bei normalem Düsseldorfer Pegelstand von ca. 340cm ist es dort ungefähr 4m tief, allerdings fällt das Ufer schon 3-4m vom Ufer entfernt auf diese Tiefe ab.

JW: Welche Erfahrung haste mit verschiedenen Wasserständen insbesondere Hochwasser gemacht?

JM: Ich habe sowohl bei extrem niedrigem Wasserstand (100cm Pegel), als auch bei bis zu 400cm gefangen, hohes Wasser ist nicht so schlimm finde ich, nur wenn es in kurzer Zeit steigt schwimmt zuviel Unrat und Holz im Wasser um noch vernünftig zu fischen.

JW: Fischst Du nur an den Bootsanlegern, oder gibt es noch andere Stellen welche Du befischst?

JM: Haha, wenn es nach mir ginge würde ich nur an den Anlegern fischen, da ich glaube dort auch noch grössere Barben zu erwischen und ich in fünf! Jahren dort nur zwei Futterkörbe durch Hänger verloren habe (eine Sensation im Rhein ;-). Allerdings fangen nicht alle meine Angelkollegen dort so gut wie ich und überreden mich ab und zu zu Sessions auf flachen Kiesbänken. Ich bin da etwas bequem geworden, weil ich weiss dass ich an meinen Anlegern fast immer fange und dort zu 99% Barben beissen. Ich fange auf zwanzig,dreissig Barben dort einen Brassen oder Aland und das obwohl die Strömung auch Brassen zulassen würde. Es sind halt Barbenlöcher ;-)

JW: Gibt es Probleme mit dem Bootsanleger während des Drills und was machst Du wenn genau während deiner Session ein Boot anlegt ;)?

JM: Probleme gibt es eigentlich nicht, da die Anleger bei uns nur am Ufer verankert sind, d.h. es sind keine Seile im Wasser die den Drill behindern.Wenn ein Boot anlegt nehme ich die Rute raus und fütere mehrere Körbe nach sobald es wieder abgelegt hat. Die Boote wühlen den Grund stark auf und vom Futter wird nicht allzuviel liegen bleiben. Oft kommen kurz danach dann die Bisse da sehr viel Nahrung durch die Boote freigespült wird.

JW: Wie schaut deine Taktik bezüglich Anfüttern aus, fütterst Du vor dem Fischen oder erst am jeweiligen Angeltag?

JM: Ich füttere im Winter drei oder vier normale Futterkörbe an, ich lasse sie absinken, warte kurz und schlage dann mehrmals an um das Futter aus dem Korb zu lösen. Im Sommer verfahre ich genauso, allerdings mit bis zu zehn Körben. Lose eingeworfenes Futter meide ich, da es nicht abzuschätzen ist wo das eingeworfene Futter am Grund landet. Ich werde dieses Jahr mal versuchen einen Platz mehrtägig mit gefrorenen Futterblöcken vorzubereiten, wir werden sehen ;-)

JW: Welches Futter verwendest Du und welcher Priorität hat für Dich die Zusammensetzung der Mischung?

JM: Ich verwende wie gesagt immer das Mosella Barbenfutter. Im Winter pur, im Sommer aus Kostengründen mit Basisfutter gestreckt, da ich mehr verwende. Als Zutat wirkt meiner Meinung nur der Manic Käsesirup wirklich gut, ich glaube der ist auch von Mosella. Mit geriebenem Käse im Futter habe ich experimentiert aber keine Veränderung festgestellt, wahrscheinlich auch weil im Fertigfutter schon ordentlich Käse(aroma) enthalten ist. Ich empfinde im Gegensatz zu anderen ;-) einen hohen Lebendfutteranteil als enorm wichtig, ich gebe einen Viertelliter Maden auch 1 Kilo Trockenfutter.

JW: Wieder das alte Barbe-Käse Thema ;). Vielleicht sollte ich Timo mal fragen, ob er vom Boot aus seine Füsse in meine Futterspur hältJ.

JM: Tja, ich empfehle meinen Kollegen an Schneidertagen einfach mit dem Gesicht nicht so nah ans Wasser zu gehen ;-) Mit den Füssen könnte aber auch stimmen, im Sommer wenn die Camper sich die Füsse kühlen werden auch die Barben richtig aktiv !

JW: Wie ist deiner Meinung nach die Funktion von Lockstoffen bzw. welche Rolle spielt diese?

JM: Ich habe immer den Sensas Barbeaux Spray dabei, aber mehr um mich ruhigzustellen und noch ein vermeindliches Ass im Ärmel zu haben. In Wirklichkeit wirkt er vor allem auf Wollhandkrabben. Ansonsten kann ich das Mosela Manic Käse-Sirup nur empfehlen ! Das zündet wirklich !

JW: Also ich hab das Sensas Barbeaux auch und sehe es genau wie Du. Geil ist es die Kollegen, welche im Windschatten sitzen damit einzugasen J. Ich kauf mir jetzt wegen Dir das Manic Zeug um zu testen, wehe es ist Schrott und es geht nicht schnellstens ne Ü70 drauf;)

JM: Hehe, vielleicht funktionierts ja auch nur in NRW ? Wer weiss ?

JW: Siehst Du an deinen Plätzen die Möglichkeit vorzufüttern? Frage das wegen der Boiliefischerei welche Du ja mal praktizieren wolltest.

JM: Die Möglichkeit besteht schon, es müssen ja auch keine runden Boilies sein. Ich könnte mir gut vorstellen damit vor allem im Sommer die Grösseren selektiv zu fangen.

JW: Fischst Du auch mit zwei Ruten und wenn ja wie handelst Du diese (2 verschiedene Angelplätze?)?

JM: Ich fische grundsätzlich mit einer Rute beim Feedern, in der Anfangszeit habe ich mit zwei Ruten gefischt aber auch nicht mehr gefangen. Im Sommer 2004 habe ich in drei Stunden mal 34 Barben und zwei Alande gefangen, was macht man da mit zwei Ruten ? Naja, an manchen Tagen wünsche ich mir schon eine zweite Falle, aber ich finde einfach keine gute zweite Rute für mich. Falls also mal jemand mal eine Aero Feeder 12" -120g von Shimano loswerden will ;-)

JW: 34 in 3Stunden. Drillst Du auch gelegentlich ;)?

JM: Tja, und das mit einer "Wabbelrute" ;-) Nein im Ernst, es waren grösstenteils 2-3 Pfünder.

JW: Wie schaut es mit sonstigem Tackle aus (Rollen, Schnur, Haken)?

JM: Also, Rolle gibts für mich nur die Technium 4000FA, die einzige Rolle die bei mir nicht nach zwei Jahren mit 100g Körben kapituliert hat, ausserdem ist die Bremse perfekt. Schnur verwende ich die UC-10 von Tubertini oder die Carp von Stren, jeweils in 0,25mm. Ich habe auch mit geflochtener experimentiert, bin aber zurück zu guten alten Mono. Vorfächer meistens 0,22 bis 0,25mm, ich habe wie gesagt eine hängerfreie Stelle ;-). Bei den Haken neme ich nur Karpfenhaken, den Cormoran CGS oder Top Secret, beide mit Plättchen und 40-70cm Vorfach.

JW: Gibt es in Düsseldorf neben der längsten Theke der Welt auch ne Barbenszene?

JM: Ja, leider, man erkennt sie am rhytmischen Klopfen der Fischtöter und den Wodkaflaschen. Naja, es gibt schon ein paar Spezis aber der grösste Teil der Leute fischt auf Zander.

JW: Könntest Du nicht auf die Feederbissanzeige verzichten?

JM: Also ehrlich gesagt würde man die Bisse wohl auch an jeder anderen Rute mitbekommen, durch die Feederspitze bekomme ich aber immer genau mit was mit der Montage passiert, ob Blätter oder Unrat sich in der Schnur verfangen oder Wollhandkrabben oder Gründlinge einem das Leben schwer machen. Ausserdem bietet eine Feederrute auch ein phantastisches Drillgefühl.

JW: Wie stellst Du Dir den Anbiss vor, gibt ja da sehr unterschiedliche Meinungen?

JM: Ich habe eigentlich nur zwei Varianten kennengelernt: zu erst den klassischen Volldampfrun flußab, die Rute biegt sich im Halbkreis, dann die etwas schwieriger zu deutende Variante wenn die Barbe den Korb flußauf anhebt und er dann weiterrollt. Das kann man schon leicht auf die Schifffahrt schieben, meistens klärt sich das dann aber schnell.

JW: Wie schaut es mit den Jahreszeiten aus, wann ist für Dich die beste Zeit?

JM: Im Sommer gibt es ganz klar mehr Bisse, aber die Durchschnittsgrösse ist geringer und Beifänge häufen sich. Im Winter fangen wir hier kaum Fische unter 5 Pfund. Meine Lieblingszeit ist der November.

Pierre ist Jens`Angelpartner seit 12 Jahren und zeigt hier ne schöne Barbe aus Februar 2006. Er muss wegen Bildermangel für Jens einspringen ;)

JW: Was passiert während der Laichzeit, beissen beim Brassenfischen noch Barben?

JM: Ganz klares Nein. Das ist auch gut so, weil die Barbe sich im Drill extrem auspowert und so bestimmt nicht optimal laichen kann. Ich schicke auch keine Schwangere zum Hürdenlauf. ;-) Abgesehen davon beissen Sie nicht besonders in der Laichzeit und ein Monat ist zu verschmerzen.

JW: Wo wir gerade die gute Behandlung ansprechen. Bin gerade dabei mich nach ner kleineren Abhakmatte umzusehen, da die alte sehr gross ist und deshalb selten mitkommt. Wie handhabt ihr das Thema?

JM: Mit etwas Übung kriegt man eine Barbe auch auf einer kleineren Matte in den Griff. Bei uns hat der mit dem Auto auch die grosse Matte dabei.

JW: Was hälst Du von der Nachtangelei auf Barben?

JM:  Hab ich bis jetzt nicht wirklich versucht.Auch ein Punkt auf meiner diesjährigen To-do Liste. Die Abendstunden bis in die Dunkelheit hinein waren im Sommer aber immer recht gut !

JW: Vergleiche doch mal die Fischerei mit rollendem Körbchen und mit fixem.

JM: Also ich fische kaum noch mit rollenden Montagen, erstaunlich ist aber, daß gerade Anfänger die aus Unwissenheit zu leichte Körbe nehmen ab und an richtig dicke Brummer fangen, besonders im Winter. Ehrlich gesagt bin ich dafür fast zu faul ;-)

JW: Wie lange lässt Du denn die Rute draussen, bevor das Körbchen neu gefüllt wird?

JM: Im Sommer so 15min., im Winter bis zu einer Stunde, da die Fische dann nur träge nach Futter suchen will ich den wenigen aktiven Fischen den Korb nicht auch noch vor der Nase wegziehen.

JW: So Jens, danke für das Interview. Denke wir sollten uns dieses Jahr unbedingt mal einen Gegenbesuch abstatten. Fischen hier vermutlich doch etwas anders als ihr. Vielleicht bringt es ja beiden Seiten neue Erkenntnisse ;)?

JM:  Das wird auf jeden Fall kommen ! Wenn ich zu euch in den Süden fahre werde ich mir wohl vorher ne Cherrywood schiessen müssen, bei euch gilt ja wohl "dicker Knüppel, grosse Körbchen"und ich hoffe daß ihr hier beim Rentnerfeedern nicht einschlaft....vergiss die Krone nicht....sie passt mir bestimmt ;-)

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