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Interview mit Jörg Düren

Jens: Sag doch bitte erst mal was zu deiner Person.

Jörg: Ich bin 32 Jahre alt und fische seit 27 Jahren. 2003 habe ich die Firma JDTec/Angeltechnik gegründet, die überwiegend Friedfischprogramm beinhaltet. Spezialisiert auf Edelstahlzubehör und Futterkörbe zum Barbenfischen in der Strömung. Ruten bauen ist noch eine Leidenschaft von mir.

Jens: Hast Du auch schon spezielle Ruten für die Barbenfischerei gebaut?

Jörg: Ja, eigentlich sind es Karpfenrutenblanks , die ich zu Barbenruten umfunktioniert habe. Sie haben 3 lbs bei einer Länge von 13 ft. Schön mit Mahagoniholz-Griffen und Kreuzwicklungen in meinen Lieblingsfarben gefertigt.

Jens: Was macht für dich den Reiz der Barbenfischerei aus und wie bist Du auf diese gekommen?

Jörg: Die Kampfkraft und die enormen Schnelligkeit bei einem Biss verbunden mit  launischen Schneidertagen zeichnen meine Leidenschaft zum Barbenfischen aus. Zum Barbenfischen bin ich durch Wettfischen am Strom gekommen, Fänge beim Feedern haben mich und einige Kollegen zu spezialisierten Barbenfischern werden lassen. Wir haben Krallenfutterkörbe und Rod Pod´s für das Barben- und Karpfenfischen entwickelt.

Jens: Ist das Barbenfischen bei Euch populär bzw. wie viele Dir bekannte Angler stellen den Barben gezielt nach? Hier hält es sich ja noch in Grenzen.

Jörg: Barbenfischen wird bei uns immer beliebter! Kein Wunder, weil sich der Fang unserer  Großbarben immer mehr herumspricht. In allen Angelgeschäften bei uns in der Umgebung wird über die Barbe des Rheines gesprochen. Also die Anzahl der Angler, die den Barben nachstellen, kann gar nicht mehr ermittelt werden. Es sind auf jeden Fall viele!

Jens: Welche Gewässer werden von Dir befischt?

Jörg: Zum Barbenfischen, der Rhein von Krefeld über Duisburg bis Wesel. Karpfen und Hechte werden von mir an Vereinsgewässern nachgestellt. Meerforellen im Urlaub an der Ostsee. Natürlich habe ich in jedem Urlaub eine Rute dabei. Barbenfischen macht aber den Hauptkick aus.

Jens: Die Kampfkraft der Barbe wird ja oft mit der des Lachses verglichen. Vielleicht ist ne Meerforelle auch nicht weit vom Lachs entfernt, was sagst Du also zu diesem Vergleich?

Jörg: Die Kampfkraft kann man echt vergleichen. Kurz vor der Landung geben beide Fischarten noch mal richtig Gas. Vielleicht mag ich deswegen diese Fischarten so sehr. Nur der Sprung einer  Barbe fehlt im Drill noch J.

Jens: Kann man bei euch gezielt auf Barben fischen oder ist diese nur Beifang?

Jörg: Barben werden von mir am Rhein gezielt befischt. Eigentlich kann man bei uns am Rhein überall Barben nachstellen. Alle Angelstellen, die ich am Rhein befischen durfte, haben auch Fische gebracht (mehr oder weniger).  Beifang sind dabei nur Brassen und nicht kampfstarke große Alande.

Jens: Wie hoch sind die Durchschnittsgewichte und mit wie vielen Bissen rechnest du im Schnitt bei einem Ansitz (sagen wir in 5 Stunden)?

Jörg: Die Gewichte der Barben liegen so bei 2 Kilogramm. Im Laufe eines Ansitzes bekommt man meist 10 Fische zu Gesicht. Davon 2 Barben, 6 Brassen und 2 Alande. Also ca. 20% Barben.

Jens: Wie lange sind deine Trips gewöhnlich?

Jörg: Normalerweise gehe ich früh morgens vor Sonnenaufgang los. Wenn es richtig gut beißt, kann es bis zum Abend gehen. Sollte es nicht beißen, kann es am Mittag schon mal nach Haus gehen oder der Angelplatz wird gewechselt.

Jens: Mit welcher Methode gehst du das Barbenfischen an?

Jörg: Entweder mit schweren Feederruten (KOC 4,20m bis 200g Wurfgewicht) oder mit Harrison-Karpfenruten der 3 lbs-Klasse. Große Daiwa-Rollen (Infinity oder EmblemX) bespult mit 35er Monofil. Krallenfutterkorbmontage meist direkt in der Strömung. Rutenablage auf dem von uns entwickelt und patentierten Edelstahl-Rod-Pod.

Jens: Gibt es Stellen, an denen selbst deine schwersten Krallen nicht mehr ausreichen und somit kein geruhsamer Ansitz möglich ist?

Jörg: Natürlich gibt es solche Stellen. In der starken Hauptströmung hält bei uns gar nichts mehr. Welsfischer haben bei uns am Rhein mit Bleigewichten von 1 kg herumexperimentiert. Noch nicht einmal die bleiben liegen. Meine Krallenfutterkörbe können helfen an Stellen zu fischen, an denen alles andere abtreibt, denn genau dort stehen oft die Großbarben.

Jens: Beschreib doch mal kurz den Aufbau deiner Montage?

Jörg: Krallenfutterkorb frei laufend auf der Hauptschnur, Vorfach eingehangen im Wirbel darunter. Knoten-Stopperperle zum Schutz des Wirbelknotens zwischen Krallenkorb und Vorfachwirbel. Als Vorfächer zum Schutz vor dem Vorfachkiller, die Wollhandkrabbe, werden dünne geflochtene Schnüre verwendet. Meist werden Maden und Mehlwürmer über einen Hilfshaken, unterhalb des richtigen Angelhakens am Haar angeboten.

Jens: Ich fische dieses System ja auch und habe die meisten Fische auf dem mit Maden vollgestopften Köderhaken. Kannst Du das bei deinem Extrem-Rig bestätigen?

Jörg: Kann ich nicht bestätigen.  Sehr selten wird ein Fisch darüber gehakt. Wenn man den Köderhaken so nah wie möglich am Haupthaken platziert und sehr viele Maden anbietet, kommt das so gut wie nie vor. Sollte man diese Rigs  aufgrund der Gesetzeslage nicht fischen wollen, kann man ja die Spezialdoppel-Rigs fischen. Dort ist der Köderhaken zugebogen.

Jens: Welches Futter verwendest du und welche Köder sind deine Favoriten?

Jörg: Immer schweres Grundfutter aus dem Fachhandel, verfeinert durch Zusätze und Lebendköder wie Maden, Caster und Mehlwürmer. Brassenfutter ist die beste Wahl. Als Köder kommen Maden, Caster, Mehlwürmer und manchmal auch Boilies zum Einsatz.

Jens: Welche Konsistenz hat dieses? Das normale Feederfutter verlangt ja eigentlich permanentes Auswerfen?

Jörg: Mein Futter wird einfach etwas nasser und fester in die Futterkörbe gepresst. So wir die Freigabe des Futters verzögert. Natürlich kann man auch etwas Paniermehl beifügen, womit das Futter klebriger wird.

Jens: Wie groß war deine größte Barbe und unter welchen Umständen konntest du sie überlisten?

Jörg: Meine größte Barbe habe ich im Hochsommer am späten Abend gefangen, als ich  mit Freunden den Barben nachstellte. Als alle schon eingepackt hatten blieb ich noch am Wasser.  Kurz darauf bekam ich den Biß. RUN wie beim Karpfenfischen: Der Bissanzeiger kreischte auf meinem Rod Pod, die Feederrute verbeugte sich und beim Anhieb bemerkte ich sofort, dass es keine normale Barbe war. Erst dachte ich an einen Karpfen. Aber dann nach 15 Minuten Drill habe ich Sie gehabt. Etwas über 12 Pfund und 89cm eine schöne makellose Barbe.  Habe sofort einen meiner Freunde mit Kamera zurückgerufen. Ein echt schöner Tag.

Jens: Kommen Karpfen als Beifang im Hauptstrom öfter vor?

Jörg: Sehr selten wird beim Barbenfischen ein Karpfen gehakt. Die kommen eher in den Häfen und Rheinarmen vor.

Jens: Hast ja schon etliche Fische in den Fischparaden gehabt, fängst Du diese meist an der gleichen Stelle?

Jörg: Diese Fische sind an verschiedenen Angelstellen gefangen worden. Ich glaube jeder Angler hat Lieblingsstellen. Fänge von kapitalen Fischen sind überall drin.

Jens: Gibt es Plätze wo es wirklich nur dicke Barben gibt?

Jörg: Meiner Meinung nach nicht. Natürlich gibt es Stellen, an denen ich schon öfter eine Große erwische.

Jens: Welcher Ansitz ist dir aus welchen Gründen auch immer in besonderer Erinnerung geblieben?

Jörg: Ein Tag im Herbst bei Regenwetter mit einen Kollege. Nach dem Anfüttern schon beim ersten Wurf und ca. 10 Sekunden später der erste Barbenbiß. So ging es weiter, abwechselnd drillten wir anfangs mit je 2 Ruten im strömenden Regen. Nachher fischte jeder nur noch mit einer Rute klitschenaß trotz Brandungszelt.  18 Barben,17 Brassen und einige Rotaugen und Alande waren der Erfolg.

Jens: Wo fängt für dich ne wirklich gute Barbe an (Gewicht bzw. Länge)?

Jörg: So ab 4 Kilogramm und bei 70 cm macht es richtig Spaß.

Jens: Auch an solch starkem Gerät?

Jörg: Da meine Ruten weich sind, kann ich diese Fische auch vernünftig drillen und landen.

Jens: Gibt es irgendwelche Tipps oder Tricks welche du uns verraten willst ;)?

Jörg: Futterkörbe mit Grip (Kralle) in der stärksten zu befischenden Strömung fischen. Denn dort stehen oft die größten Barben. Barben fängt man zwar auch am Rand der Strömung, aber nicht die großen. Tipp: eingelegtes Garnelenfleisch  kann ein Hammerköder sein und kann immer auf Vorrat parat liegen.

Jens: Muss dieser Platz weit vom Ufer entfernt sein?

Jörg: Nein, wenn die starke Strömung direkt am Ufer liegt kann diese genauso gut sein.

catch & release von Jörg Düren

P.S.: Wer Jörg irgendetwas fragen möchte, könnte das Forum als Plattform dafür nutzen ;)

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