
Es gibt sicher keinen unter uns, welcher nicht gerne ausschließlich dicke Barben fangen würde. Wäre es also nicht klasse, wenn wir die Größe der Fische auf dem Futterplatz bestimmen könnten? Klar wäre es das. Leider halten sich die Barben selten an Verbote wie <65cm dann bitte weiter schwimmen oder nach dem Monopoly-Stil : <65cm begib dich direkt über den Futterplatz hinweg und ziehe keinen Köder welcher für Grossbarben bestimmt ist ein.
Gehen wir also mal davon aus, dass es in unserem Angelgebiet genügend mittlere und einige kapital Barben gibt, die Kapitalen aber im Verhältnis nur sehr selten beissen. Über die Köderwahl funktioniert die Selektion auch nicht wirklich, da eine 60iger (welche ja schließlich auch schon ein guter Fisch ist) den gleichen Köder nehmen wird wie eine Ü70.
Also müssen wir den Selektionsgedanken begraben und uns durchangeln bis durch Glück eine Grossbarbe dabei ist?
Jein. Denn natürlich braucht man nach wie vor etwas Glück, doch das gehört ja immer irgendwie dazu. Aber folgende Erfahrungen (welche mancher von euch sicher auch so ähnlich gemacht hat) könnten den Weg für eine Saison mit mehr Grossbarben ebnen.
Rückblick: Als Jugendliche fischten wir den ganzen Tag über an einem Vereinsgewässer auf Weissfische. Gefüttert wurde während des gesamten Ansitzes mit Grundfutter und Dosenmais. Anfangs bissen immer erst mal paar Rotaugen und dann die Brassen. Als das Vereinsheim um 15.00Uhr öffnete machten wir meist eine Pause, um ein paar Würstchen zu essen und etwas Billard zu spielen.
Nach dieser einstündigen Pausen war es sicher, dass der erste Biss welcher am nicht weiter gefütterten Platz von einem Karpfen kam.
Klar werden jetzt viele denken ist nix neues, ist eben die Futterpyramide. Der Größere verdrängt den Kleineren wie überall in der Natur. Als Nachweis kann jeder Gartenteich dienen, in dem Koi zusammen mit Goldfischen gehalten werden. Die Goldfische bekommen nur einen sehr kleinen Teil des Futters ab, da sie regelrecht flüchten wenn die größeren Kollegen am Start sind.
OK. Aber wenn es so einfach ist, warum fangen wir auf dem Futterplatz denn nach einer gewissen Zeit nicht automatisch nur noch größerer Exemplare?
Zurück zum Beispiel Vereinsgewässer. Wurde durchgeangelt fingen wir regelmässig Brassen, welche dann natürlich für Unruhe auf dem Platz sorgten und den Platz für einige Zeit fischleer machten. Karpfen bissen dann teilweise den ganzen Tag nicht am Platz, aber meist auf der weiter entfernt liegenden Grundrute.
Jetzt sieht die Sache ja schon etwas anders aus und sollte uns mit folgenden Überlegungen zum Erfolg führen:
Nach dem Anfüttern werden zuerst die kleineren Größen den Platz beackern, jedoch mit der Zeit den Grossbarben weichen müssen (erklärt auch warum wir diese fast nie zu Beginn des Fischens fangen). Mehrmaliges Vorfüttern in täglichen Perioden sollte eigentlich den gewünschten Effekt bringen.
Ist der Vorfütter-Aufwand über längeren Zeitraum zu hoch oder ist zeitlich nicht mehr möglich, wäre z.B. ein heftiges Anfüttern einige Zeit vor dem tatsächlichen Angelbeginn eine Möglichkeit (vielleicht vor der Arbeit, gefischt wird dann nach Feierabend). In England ist dies Standart. Vor dem Fischen werden mehrere Stellen gefüttert und erst nach einigen Stunden befischt.
Ausgesprochen wichtig scheint der Ruhe-Faktor am Angelplatz zu sein. Es sollten keine gehakten Fische umherflitzen um die Nachfolger nicht zu verschrecken.
Natürlich funktioniert dies nur wenn nicht unbedingt in der härtesten Strömung gefischt wird, da das Futter dort garantiert nicht stundenlang liegen bliebt. Hier müsste dann eben in mehreren Intervallen gefüttert werden (vielleicht neben dem Spinnfischen, damit die Zeit nicht zu lang wird ;).
Zuletzt möchte ich noch die Grundrute beleuchten, welche eigentlich immer Karpfen brachte. Oftmals beissen die grösseren Barben auch abseits vom Futterplatz, weshalb ich immer nur eine direkt auf diesem positioniere. Ich weiss, es widerspricht dem oben Geschriebenen von wegen Verdrängung auf dem Futterplatz, aber vielleicht erwischt man ja so diverse Einzelfische, welche viele mittlere nicht verdrängen können?
Ich denke wenn wir unsere Bequemlichkeit in den Griff bekommen und das Angesprochene auch nur zum Teil umsetzen, werden wir einige Grossbarben mehr zu Gesicht bekommen ;).
P.S.: Schreibt mir ruhig mal wie ihr dazu steht bzw. ob sich die erhofften Erfolge einstellt haben ;)