
Als immerhin zweitwichtigstes Glied unsere Ausrüstung kann bei falscher Wahl einiges schief laufen. Natürlich hängt es am jeweiligen Gewässer und dessen Gegebenheiten was auf die Rolle gespult wird. Es gilt zu bedenken, dass das Barbenfischen nicht unbedingt was mit dem Matchfeedern auf Rotaugen oder Brassen zu tun hat. Es ist durchaus möglich mit einer weichen Rute und 18er Schnur Barben fangen, doch wenn schwere Körbe (120g+) zum Einsatz kommen und Barben über die 60cm-Grenze beissen wird es hiermit schnell problematisch. Analog hierzu verhält es sich natürlich mit den Vorfächern.
Als z.B. Torsten die ersten Male mit uns an den Grossrhein kam, war er noch frohen Mutes dass seine 18er Mono es wohl aushalten würde. War auf seiner alten Strecke bei Worms und den dort vergleichsweise kleinen Barben bis 50cm ja auch so. Sagte ihm gleich es würde hier nicht ausreichen, doch manche Erfahrungen muss man eben selber machen. Etliche Abrisse beim Werfen und gerissene Schnüre wegen des hohen Abriebs (Steine, Muscheln, Fahrräder usw.) zeigten aber, dass bei uns ganz andere Verhältnisse vorherrschen.
Hatte in meiner Anfangszeit genau die gleichen Probleme mit einer mittelmäßigen 22er Mono. Sobald weiter geworfen werden musste, riss der Korb ab und eine fangfähige Montage lag im Wasser. Passierte dies nicht, brach bei heftigen Bissen öfter das Vorfach und der Fisch war weg bis ich die Hand an der Rute hatte. Da ist auf alle Fälle nicht waidgerecht und muss sofort geändert werden.
Um den Druck auf der Schnur durch geringen Durchmesser dieser gering zu halten und trotzdem hohe Tragkräfte zu realisieren, bespulte ich meine Rollen mit 10er Berkley Whiplash. Klappte super und es flog nie mehr ein Korb ohne Verbindung zur Rute raus. Probleme kamen dann aber von einer ganz anderen Seite. In Verbindung mit einer Heavy Feeder wie wir sie benutzen rissen die Vorfächer durch die fehlenden Dehnung gleich noch mal so schnell, da die Schnur nicht als Stossdämpfer für die wilden Kopfstösse funktioniert. Zwar brachte ein Stück Powergum etwas Linderung, doch auch diese Lösung war niemals perfekt. Außerdem ist eine 10er Whiplash niemals 0.10mm stark, sondern eher 0.20mm.
Erst eine gute 25er oder 27er Mono brachte wirklich Erfolg und stellte die Abrisse beim Anbiss fast vollständig ab. Hiermit kann ordentlich Druck bei Wurf und Drill aufgebaut werden. Da die geflochtenen Schnüre auch nie dem angegebenen Durchmesser entsprechen, war der Vorteil des geringeren Drucks eh nicht wirklich gegeben. Unter guten Schnüren verstehe ich die von der EFTA freigegebenen Produkte, da dies sowas wie ein Schnur-TÜV darstellt. Schnurtest
Vorfächer sollten eine Stärke kleiner gefischt werden und halten durch die Dehnung der Monoschnur einfach klasse. Dies entbindet aber nicht von der Pflicht dauernd die Hauptschnur und das Vorfach nach Beschädigungen abzusuchen. Falls auf Muschelbänken oder an Steinen gefischt wird kann es selbst mit perfekter Schnur noch zu Abrissen wegen gleichzeitigem Abschneiden der Schnur kommen. Hier hilft eine noch abriebsfestere und dickere Vorfachschnur. Außerdem gibt es von Browning fertige Feedermontagen, welche aus einem robustem Powergum bestehen, welche sich durch Steine usw. nicht beschädigen lassen. In der Summe der Eigenschaften für mich eine perfekte Montage.
Eventuell muss bei extremen Fischen mit Körben über 200g sogar Schlagschnur oder eine 30iger benutzt werden.
Ich habe eine Zeit lang die Stroft GTM in der 25er Stärke auf den Rollen gefischt. Da sie mit der hohen Tragkraft eher einer 27er entspricht, benutze ich ein gleichstarkes Vorfach von Dream Tackle. Natürlich ist diese Schnur sehr teuer, aber jeder verloren Fisch ärgert mich mehr als paar € mehr für Schnur ;).
Durch einen Hinweis eines Kollegen bin ich auf die SHIMANO Catana gestossen. Diese Schnur hat nach unserer Erfahrung eine sehr hohe Abrieb- und Knotenfestigkeit, zudem gibt es sie bei einem lokalen Händler recht preisgünstig (1.000m-Spule für rund € 13,- !!!). Das Preis-Leistungs-Verhältnis für diese Schnur ist wohl momentan unschlagbar, so dass ich diese Schnur in der 28er Stärke auf beiden Rollen fische.
HINWEIS: Bei neuer Bespulung neigt z.B. Shimano Catana sehr stark zu Perücken bzw. springt gerne von der Rolle. Dies führte bei mir zu zwei abgerissenen Montagen während den ersten 3 Würfen und könnte sogar zu einer Beschädigung der Rute durch abgebrochene Spitzen führen. Ist der schwere Korb mehrmals eingeholt worden, tritt das Problem allerdings nicht mehr auf. Also besser erst ein paar vorsichtige Probewürfe machen,bevor eine fangfähige Montage ausgeworfen wird.
Nach meinen leidigen Erfahrungen mit der 18er Royal habe ich dann recht schnell auf eine 25er Platinum Royal von Balzer gewechsel. Diese Schnur hat eine relativ hohe Tragkraftangabe von 6,7 kg und eine geringe Dehnung. Die von Balzer beworbene Eigenschaft des Anti-Drall-Systems konnte ich noch nicht feststellen, da sich durch die Fischerei mit Futterkörbchen im Rhein die Schnur ständig verdrallt ;) Da ich fast nach jedem Angeln die stark beanspruchten ersten paar Meter der Schnur abschneide, ist für mich der Preis der Schnur ebenso wichtig wie die Qualität. Bei einem Preis von etwa 10 – 12 € für die 300m-Spule lässt sich aber ein gewisser Schnurverlust verschmerzen.
Nachdem ich mit der Stroft GTM recht gute Erfahrungen als Vorfachmaterial gemacht habe, fand diese beim anstehenden Schnurwechsel in der Stärke 0,25mm für € 4,50 / 100m auch Verwendung als Hauptschnur. Ich würde vermutlich auch immer noch mit dieser Schnur fischen, wenn nicht Jens, dass alte Sparbrötchen, mit dieser unschlagbaren "gut-und-billich"Schnur CATANA um die Ecke gekommen wäre .... Also auch zum Händler getrabt und 2.000m in der Stärke 0,25 / 6.4kg auf's Lager gelegt. Der nächste Schnurwechsel war mal wieder vorprogrammiert und seit dem fische ich wie Jens die Shimano Catana auf beiden Rollen.
Als Vorfach verwende ich ausschließlich selbst gebundenes Material, als Schnur kommt hier derzeit die 22er Stroft GTM mit einer Tragkraft von 5,1kg zum Einsatz. Die Vorfächer binde ich in einer Länge von 1m, die ich bei Bedarf dann am Wasser noch kürzen kann.