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Erster Karpfen oder Barbe für die Ewigkeit ?

Im Nachhinein ist es mir doch so rum lieber gewesen. Meinen ersten Karpfen im Rhein fangen zu dürfen war damals nur noch eine Frage der Zeit. Kurz nach meiner Fischereiprüfung im Mai 2003 lernte ich am Wasser Nils und Sascha (2 begnadete Karpfenangler und ab diesem Zeitpunkt meine Vorbilder) kennen. Es dauerte keine 2 Wochen und ich hatte mich auf meinen Zielfisch "dem Karpfen" festgelegt. Für einen Neuling wie mich kein leichtes Unterfangen, jedoch sollte es gut 2 Jahre dauern bis ich meinen ersten Schuppi auf die Matte legen durfte und ich somit genug Erfahrung sammeln konnte um dies auch souverän zu meistern. An dieser Stelle vielen Dank an die 2, mich hätte es echt nicht besser treffen können.

Es war im Juni 2004 und Sascha hatte es sich zur Aufgabe gemacht, dass ich mit ihm meinen ersten Karpfen fangen sollte. Wir setzten eine Stelle am Rhein (oberhalb der bekannten Strecke) ca. 3 Wochen lang, täglich unter Futter. Wir kippten ordentlich ab, meiner Meinung nach viel zu viel, aber woher sollte ich schon wissen was eine angebrachte Menge Futter für ein stark fließendes Gewässer wie dem Rhein ist. Heute ist das anders denn ich wurde eines besseren belehrt. Partikels wie gekochter Mais, Weizen und Erdnüsse wurden mit Weckmehl zu Futterballen geformt, Frolic und jede Menge Boilies landeten schließlich Tag für Tag im Wasser. Jede Menge Aufwand und Herzblut wurden investiert um meinem Vorhaben ein Stück näher zu kommen. 

Freitags nach der Arbeit war es dann endlich soweit. Am Platz angekommen bauten wir unser Tackle auf und montierten die Ruten. Ich hatte meine weichen Karpfenruten 13ft - 1 1/4lb mit einer Line-Aligner Montage (110gr.) und einem 6er Fox Haken versehen, die ich mit jeweils einem einzelnen Knödel versah. Ich hatte mir zuvor aus dem 50/50mix von steambaits meine eigenen Boilies gerollt, denen ich auch volles Vertrauen schenkte. So weit so gut, die Ruten waren draußen und es konnte nun losgehen. Ich war bereit, die Karpfen leider nicht. Außer ein paar dicken Bresen war vorerst leider nicht mehr drin. Tagsüber beim stippen hatten wir jedoch unseren Spaß mit den stattlichen Schleimern und ein paar kleineren Barben. Fische waren reichlich auf unserem Platz vorhanden, wir bekamen ständig Bisse aber nennenswertes war leider nicht dabei. Sonntags abends wurde zusammengepackt und wir beschlossen den Platz unter Futter zu halten. Unter der Woche waren wir gegen Abend immer mal draußen und konnten jede Menge Weißfisch fangen.

 

Am Freitag dem 18.06.2004 war es dann wieder soweit. Diesmal jedoch wollte ich ein bisschen mehr fangen und beschloss eine Rute mit einem Tauwurm zu bestücken. Der Platz stand jetzt 2 Wochen lang unter Futter und wo sich so viele kleine Futterfische aufhalten ist über einen solchen Zeitraum auch mit Räubern zu rechnen. Also legte Sascha auch eine Köderfisch-Rute aus. Es dauerte keine halbe Stunde und ich hatte auf meinen Tauwurm 6 gute Bresen gefangen. Danach flaute es etwas ab. Ich zog einen neuen Tauwurm auf und und bekam direkt nach dem Einwurf einen ziemlich guten Biss der jedoch nicht hakte. So ein Mist dachte ich mir, der Wurm war ab und das Spiel ging weiter. Einwurf - direkter Biss und wieder ab. Sch..... , der wird wohl nicht noch einmal beißen dachte ich und ärgerte mich sehr darüber.  Beim darauf folgenden Auswurf kam es anders als erwartet. Diesmal ging es noch schneller. Das Blei setzte kaum auf und nach einem kurzen aber für meine damaligen Verhältnisse ganz ordentlichen Drill´s hatte ich ein ca.50 cm Wallerchen fangen können.

Zufrieden machte ich meine zweite Karpfenrute startklar und zog einen süßen self-made Haselnussboilie auf. Schließlich hatten wir Besuch und ich wollte mich ein bisschen intensiver um ihn kümmern. Die Ruten lagen jetzt beide mit einem einfachen Knödel bestückt auf meinem Futterplatz und nach ca. einer weiteren Stunde gegen 00.30Uhr meldete sich mein rechter Bissanzeiger. Dauerton !!! Ich stand in unmittelbarer Nähe zu meinen Ruten und mir schoss direkt das Adrenalin ins Blut. Darauf hatte ich die ganze Zeit gewartet. Matthias und Sascha meinten direkt "des is en Kappe, Sebbel - endlich wieder Karpfen !!!", was nicht wirklich zu meiner Beruhigung diente. Der Fisch nahm ca. 4-5m Schnur bevor ich den Anhieb setzte. Als er den erhöhten Widerstand spürte marschierte er erstmal ab in den Strom wo er auch richtig Gas gab. Ich war hochkonzentriert und wollte jetzt bei meinem ersten "richtigen Fisch"  keinen Fehler machen. Ich hielt  ihn schön auf Druck und pumpte ihn nach einer Weile langsam aber kontrolliert bei. Vielleicht könnt ihr euch noch an euren ersten "Biggi" erinnern und was ihr bei dem Drill gedacht habt. Mir zitterten die Knie und wie ihr unschwer erkennen könnt lief der Schweiß in Strömen. Trotz aller Aufregung und Unerfahrenheit konnte ich den Drill irgendwie genießen. Zwischen "bitte schlitz nicht aus - und mach jetzt ja keinen Fehler" dachte ich nur " wie geil ist das denn"! Nach ein paar Minuten (ich kann echt nicht sagen wie lange es gedauert hat - mein Zeitgefühl hatte einen völligen Aussetzer) ließ der Druck etwas nach und der Fisch zeigte sich ca.5m vorm Ufer an der Oberfläche. "Oh Mann !!! Doch nur ne Barbe", hörte ich die anderen sagen, jedoch war mir das sch.... egal. So eine Barbe hatte ich noch nie zuvor live gesehen und ich hatte sie immer noch nicht im Kescher. Ich lockerte am Ufer etwas die Bremse und nach 3 kurzen aber dennoch dynamischen Fluchten war sie dann im sicheren Netz. Die Barbe war mir sicher und ich nervlich am Ende.

Jedoch hatte ich keine Zeit zum Erholen. Barbe ab auf die Matte, abgehakt, gemessen, gewogen und fotografiert. Als ich sie in meinen Händen hielt wusste ich, dass ich so ein Fisch nicht alle Tage fangen werde und freute mich sehr über diesen besonderen "Beifang". Karpfen, egal welcher Größe, werde ich schon noch genug fangen. So eine Barbe könnte evtl. schon mein Personal Best für die nächsten 10 Jahre sein. Also warum den Karpfen hinterher weinen, eine 82cm und 4,9kg Barbe über den Kescherrand zu ziehen ist auch ein besonderes Erlebnis. Mittlerweile habe ich einige Karpfen fangen können und ich würde meine Barbe gegen keinen von ihnen eintauschen wollen.

Die restliche Nacht verlief ruhig, gegen viertel nach sechs konnte ich ein sehr schönes Rotauge auf einen einzelnen Knödel fangen was ich jedoch noch am Ufer aushängte. Die Nacht darauf fing Sascha noch einen kleinen Waller auf ein totes Rotauge. Mit dem Wochenende war ich gut bedient da tagsüber noch eine stramme Barbe von guten 4pfd. beim stippen auf meiner Matchrute biss. Am darauf folgenden Wochenende fing ich nur noch Bresen und Sascha einen schönen Zander von 87 cm und 10,4pfd.

Leider kann ich nicht viel über Methoden und Tricks schreiben da ich mich immer noch ganz den Karpfen verschrieben habe und nicht gezielt auf Barben fische. Finde die Homepage eine super Sache da bei ihr auch ein super Fisch im Rampenlicht steht. Was ich jedoch gelernt habe - viel Futter über Tage hinweg, bringt auch viel Fisch und zwar von allem etwas. Wünsche euch viel Erfolg und hoffe, dass ich euch trotz des kalten Wetters, ein wenig heiß auf die anstehende saison machen konnte..

Vielleicht sieht man sich ja mal am Wasser. Bis dahin nur Dicke,

euer Sebbel.............

Anmerkung der Redaktion: Seppi`s Homepage http://www.super-seppi.de

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