
Als spannende Sache stellte sich die Jagd auf die erste Barbe über 70cm heraus. Nachdem die Stückzahlen irgendwann mehr als zufrieden stellend ausfielen und der Reiz hoher Stückzahlen langsam abnahm, war klar das jetzt die Größe der große Kick sein würde. Zwar ist eine gut genährte Barbe ab 6 Pfd immer ein Grund zur Freude, doch nie war eine Ü70 dabei. Um hervorzuheben wie besonders an unserem Streifen eine Ü70 ist, muss man vielleicht bemerken, dass unter einer dreistelligen Anzahl keine einzige dabei war. Fische von 69cm sind durchaus regelmäßig am Start gewesen und nichts besonderes, nur der eine fehlende Zentimeter wollte einfach nicht fallen.
Die vierköpfige Barbenfischen.de Gang zog über Monate alle Register und machte sich gegenseitig heiß, wer den begehrten Fisch wohl als erster landen würde. Kein Fischen verging ohne vorhergehende Spekulationen und Ansagen wie: "Heute seht ihr bei mir das erste Mal eine Ü70!".
Nachdem ich über ein Jahr lang zwar schon gute Stückzahlen an Barben gefangen hatte, war ab August der Knoten geplatzt und die Fänge verbesserten sich nochmals. Dies resultierte aus Veränderungen der Ausrüstung und verbesserter Kenntnisse. Lediglich die ganz große Barbe war noch nicht in Sicht.
Da ich über die Köder nicht sonderlich gut selektieren konnte, suchte ich bei den englischen Jungs um Rat. Dieser war schlicht und ergreifend das sogenannte "number game" zu spielen. Heißt dann zu Deutsch sich durch die kleineren Barben durchzufischen, bis eine Ü70 des Weges kommt.
Im Oktober war nach einigen Sessions mit bis zu 12 Fischen klar, das jetzt wohl ein günstiger Zeitpunkt war die Hürde endlich zu nehmen. Ich kündigte den Jungs in ernsthafter Überzeugung an das die Jagd praktisch schon ein Ende hat ;). Überzeugt deshalb, weil ich bereit war sehr viel Zeit am Wasser zu verbringen. Dies sollte letztendlich genügen um die Ü70-Barbe in den Händen halten zu können.
Einige Wochen später saß ich wieder an meiner Lieblingsstelle und genoss das warme Herbstwetter, welches sich wechselnd bewölkt zeigte. Diesen Tag erlebte ich mein bislang bestes Barbenfischen. Es war nur 10 Minuten möglich mit beiden Ruten zu fischen, da permanent Bisse kamen und ich alleine keine Lust auf Doppeldrills habe. Scheinbar warteten die Fische schon direkt an meinem Platz auf das Körbchen.
Einige 60+ Barben später bekam ich einen wirklich harten Biss, welcher sich mit schwer verneigter Rute und direkter Flucht in die Fahrrinne bemerkbar machte. Sofort war klar das es eine Größere sein müsse, da diese sich komplett anders verhielt wie die vorangegangenen Barben. Auf kraftvolle Fluchtversuche folgte ein einfaches Stehen bleiben. Nur sehr störrisch folge sie dem Zug in Richtung Ufer und stand jetzt 4m von mir entfernt am Grund. Beim ersten Auftauchen war ich dann auch nicht sonderlich überrascht welche Masse die Barbe zeigte. Im Kescher sah sie dann gleich noch mal so groß aus und ich wusste, das ich hiermit mein Ziel wohl erreicht hatte.
73cm zeigte das Massband der ca. 8 Pfund schweren Barbe (leider wiege ich erst seit kurzem). Einen Moment lang begutachtete ich diesen so sehnsüchtig erwarteten Fisch. Doch wie den Fisch in Bilder umwandeln ohne das miese Selbstauslöserbilder als Erinnerung dienen mussten?
Glücklicherweise kamen in diesem Moment ein paar Spaziergänger des Weges, welche bereitwillig einige Fotos schossen und schwer beeindruckt waren (ich übrigens auch ;).
Leider sind die Fotos nicht ganz so gut wie gewohnt, doch es ist schon zu erkennen wie viel größer eine 73er gegen eine 69er ist. Übrigens wurde ich von den Leuten für den sorgsamen Umgang mit der Kreatur fast heilig gesprochen, welche ja in Bayern (und daher ist sie ja aufgestiegen ;) auf der Roten Liste steht und deshalb Schonung erfuhr.

Jetzt ist die Luft aus der Ü70 Angelegenheit zwar etwas raus, doch die allmonatliche Jagd auf die Barbenkrone hat neue Begehrlichkeit geweckt . Mir fällt es natürlich nicht schwer neue Ziele für die nächste Saison abzustecken. Es sollten schon mindestens 3 Fische über 70 sein (achja und 5 über 80;)