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Riesen-Barbe nur als Beifang?

Es war der 10.Oktober 2002, als ich wieder mein Tackle an einem langsam fließenden Seitengewässer des Rheins am Ufer aufbaute. Vom Frühjahr bis zum Herbst konnte ich im Rhein leider nur ein paar Graser um die 17kg und einige Barben zwischen 4 und 6Pfund als netten Beifang verzeichnen. Für mich als Karpfenangler war es ein Ansitz wie jeder andere in den letzten zwei Jahren.

Seit 2000 herrschte eine regelrechte „Karpfenarmut“ am Rhein. Ich kenne fast jeden aktiven Karpfenangler am Rhein und wusste deshalb, dass ich nicht der einzige Angler war, bei dem die regelmäßigen Fänge merklich nachgelassen hatten. Ging ich mal von mir aus, würde ich behaupten, dass alle in der Summe so viel gefangen hatten wie sonst ein Angler im Jahr.

Zeitgleich hat auch das Beißverhalten der Barben etwas nachgelassen. Bedenke ich, dass sie nur „lästige“ Beifänge waren, denke ich heute etwas anders darüber, seit dem ich eine der Großen fangen konnte.

Ein erwartungsvoller Tag bricht an??

Ich verwendete an meinen 3lb Harrison Ballistas in 12“ seit geraumer Zeit ein Stiffrig mit einem liegenden Bait. Die andere Rute war entweder mit einem einzelnen Pop-Up oder mit einem liegenden und schwimmenden Bait (Schneemann-Präsentantion) versehen. Obwohl ich dem neuen Stiffrig anfangs skeptisch gegenüber stand, lehrte mich ein Urlaub in der Türkei, dass es entgegengesetzt meiner Erwartung super funktionierte.

Ich hatte bereits das ganze Jahr auch am Rhein damit geangelt und recht positive Erfahrung gesammelt. Sowohl Barben, als auch die etwas vorsichtigeren Graser fing ich überwiegend auf das 20cm lange, steife 25lb-Mono (Sunset Amnesia) an einem 4er Drennan-Boiliehook - im Vergleich zum weichen Braid, gebunden als Line-Aligner. Als Festblei diente ein flaches, bauchiges 4oz. Inlineblei in Pear-Form.

Line Alingner??mit 6er Drennan Boilie Hook Continental??

Stiffrig-Varianten mit 5er FOX Serie 6??und 4er Drennan Boilie Hook??

Das sog. Mini-D-Rig hat sich gut bewährt??

Statt der teuren Ring Swivels binde ich eine einfache Schlaufe und fixiere den Knoten??mit 1mm Rig Tube??

Schon in der Vergangenheit hatte ich „gute Erfahrung“ auf süße Baits gehabt, denke ich an die schlaflosen Nächte mit 10 bis 15Barben zurück. Köder auf Fischmehlbasis wurden aber auch nicht verschmäht, wenn nur damit gefüttert und geangelt wurde. Die Tendenz jedoch lag bei weicheren, süßen Baits mit Scopex-, Caramel- oder Pistache-Aroma.

Nachdem die Montagen gewählt waren, beköderte ich die Stiffrig-Montage mit einem einzelnen 18er Bodenköder aus 50/50-Mix von steambaits mit R.H. Scopex. Als Floatermontage wählte ich einen 20er Fluoro Pop-Up von Dynamite Baits. Wie gewohnt fischte ich etwa in der Mitte des langsam fließenden Gewässers auf 60-70Meter Entfernung. Ich fütterte noch ca. 80 Freebaits mit dem Wurfrohr an und war gespannt, was die Nacht bringen würde. Das Wetter war klar und wolkenlos und es herrschte  leichter Ostwind. Das Flusswasser war optimal, denn wir hatten noch eine Temperatur von 15,1°C und der Wasserstand fiel tendenziell leicht ab.

Es gibt für mich nichts schöneres, als im abklingen Jahr draußen im Freien zu liegen und auf einen rasanten Biss eines dicken Karpfens zu warten. Das Laub zeigte seine wunderschöne Farbenpracht und es roch förmlich nach Herbst. Ich war alleine am Wasser – eins mit der Natur. Mit diesen  Gedanken schlummerte ich auch schon bald in meinem Schlafsack ein …

Um 3:25 ertönte mein Fox Micron und meldete Alarm. Aus dem Tiefschlaf gerissen pellte ich mich aus dem Schlafsack und ging an die Rute. Nach dem Anschlag merkte ich, dass es vermutlich kein großer Fisch war, da er sich ohne große Gegenwehr leicht beiholen ließ. Je näher er kam, desto unruhiger wurde er – könnte ein Graser sein! Na toll, dachte ich mir. Schon wieder ein Graser. Schon kurzer Zeit später konnte ich im Uferbereich den hellen, ein Meter langen Rumpf des Fisches erkennen. Aus Erfahrung wusste ich, dass die Graser unwahrscheinlich rasante Fluchten im Uferbereich hinlegen. Deshalb öffnete ich etwas die Bremse meiner Tournament und verringerte den Druck auf den Fisch. Als ob der Graser es gemerkt hätte schoss, er auf einmal los. Nach einigen wilden und kraftvollen Fluchten kescherte ich ihn, legte ihn auf die Abhakmatte und löste das Stiffrig mit dem 18er Scopex-Bait aus seinem Maul. Er wog immerhin 13,6kg. Ich schaute mir diesem makellosen Fisch noch einen Moment lang an, dann setzte ich ihn wieder schonend zurück. Schöner Fisch, aber leider kann man die Graser eben nun mal schlecht hältern. Nach dem Montieren schmiss ich erneut aus und kroch wieder in meinen kuscheligen Schlafsack zurück.

Ich muss gerade eingeschlafen sein, da schrie mein Micron wieder mit vollen Tönen. Ich wurde wach und erschrak über die schnelle Flucht und die surrende Rolle. Schnell sprang ich an meine 3lb-Rute und setzte den Anschlag. Doch diesmal merkte ich, wie der Fisch unaufhaltsam weiter lief. Nach dem der Fisch etwa 10Meter von der Rolle riss, kam er langsam zum stehen. Endlich, ein guter Karpfen, dachte ich mir. Ich forcierte den Druck auf meiner gekrümmten Rute und er schwamm flußab. Während des Drills verließ den Fisch nach und nach die Kraft und ich konnte ihn langsam ans Ufer ziehen. Doch der Widersacher hatte dies nur zum Verschnaufen ausgenutzt und ging nochmals auf Tiefgang. Ich konnte das Drillverhalten dieses Fisches einfach nicht deuten. Was war es? Ein guter Graser, ein kleiner Wildkarpfen? Nach weiteren Minuten der Aufregung zeigte er sich endlich an der Oberfläche und zog langsam seine Bahnen. Ich nahm den Kescher und versuchte mein Glück. Drin iss’er, jawoll!

Ich zog den Kescher an meine Füße und schaute hinein. Ich erstarrte einen Augenblick, was ist das? Das kann doch nicht sein, eine riesige Barbe!!!

Wie von der Tarantel gestochen nahm ich den Kescher und legte den Fisch auf die Abhakmatte. Nachdem ich schnell die Wiegeschlinge befeuchtet und an der Waage genullt hatte, war ich schon sehr gespannt auf das Gewicht des Fisches. Ich hob die Waage nach oben und der Zeiger pendelte sich bei 6,5kg ein. Krass – 13Pfund! Ich hatte bisher noch nie so ein Kaliber live gesehen. Natürlich freute ich mich derart über diesen Ausnahmefisch, dass ich gerne ein Bild davon hätte. Doch ich war alleine am Wasser. Ich überlegte kurz, dann stand es fest. Ich sacke sie einfach ein, wie einen kapitalen Karpfen, müsste eigentlich auch funktionieren. Gesagt, getan. Es war bereits früher Morgen, sie musste um 4:50Uhr gebissen haben - wieder auf das Stiffrig mit dem Scopex-Bait.

Mit einem Siegerlächeln legte ich mich wieder zurück auf mein Bedchair. Ich schrieb Marc Schiebelhuth noch schnell eine SMS von der Riesen-Barbe und bat ihn morgens zum Fotografieren vorbei zu kommen. Doch kaum hatte ich mich eingemummelt, hatte ich schon wieder Biss auf die neu ausgelegte Rute. Nach einem kurzen und heftigen Drill konnte ich einen Schuppi mit gleichwertigen 13Pfund keschern. Es war schon verrückt, wie zwei Fische mit dem gleichen Gewicht doch so unterschiedlich kämpfen. Vergleiche ich den Drill von den beiden 13Pfündern hatte die Barbe bei weitem besser gekämpft und Fluchten hingerissen, als der kleine Karpfen.

Ein Traum für jeden Barbenangler – 13Pfund!??

Am kommenden Morgen strahlte die Sonne dem Morgennebel den Gar aus und es wurde allmählich wärmer. Ich freute mich riesig über den Besuch von Marc. Das Wetter war toll zum Fotografieren und ich konnte es kaum erwarten den Fisch aus dem Sack zu holen. Ich bereitete alles für die Fotosession vor und stieg die Böschung hinab, um die Barbe aus dem Wasser zu holen. Marc staunte nicht schlecht, als er die über 90cm lange Barbe sah. Der Kopfumfang war beträchtlich, denn selbst mit zwei Händen hätte man Probleme bei einer Handlandung gehabt. Nach dem sie auf Dias verewigt wurde brachte ich sie auf der Abhakmatte hinab ans Ufer und ließ sie behutsam ins Wasser gleiten. Langsam und kraftvoll schwamm sie in die Tiefe. Catch and Release macht auch bei anderen tollen Fischen Spaß, dachte ich mir noch ...

NUR DICKE wünscht Euch

Nils Knödler

Anmerkung der Redaktion: Nils ist begnadeter Webdesigner. Schaut mal vorbei.

http://www.carp-courier.com

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