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Ein heimtückischer Virus: der gemeine Barbus Barbus

Es war einmal.....vor langer Zeit an der Donau bei Deggendorf.

Da stand ein Bub von acht Jahren mit ´ner Telerute in einem Gebüsch und versuchte nicht nur Fische zu fangen, sondern sich dabei auch nicht erwischen zu lassen. ;-)

Nun, erwischt wurde er nicht, Fische fing er aber schon. Ok, EINEN Fisch, um genau zu sein.

Und wie könnt´s anders sein – eine Barbe!

Aus dem Buben wurde langsam ein Mannsbild, er probierte fast alles aus was die Fischerei so zu bieten hat. Ob Karpfen, Waller, Weißfisch, Raubfisch oder sonst was. Praktisch nichts war sicher vor ihm. Aber irgendwie kam er nicht mehr los von den Barben. Immer wieder kehrte er zurück zum ersten Fisch der Kariere...

Bevor´s zu offensichtlich wird – JA, der Kleine von damals bin ich!

Seit viele Jahren schon üben die Barben eine besondere Faszination auf mich aus. Das sie hervorragende Kämpfer, das ganze Jahr über zu Fangen oder mal launisch wie eine Diva sind, ist nur ein Teil der Wahrheit und wäre als Erklärung auch zu Einfach.

Es ist das Gesamte. Das Suchen von erfolgversprechenden Stellen, die unterschiedlichen Gewässer, das Experimentieren, das Verfeineren von Gerät und Köder und vieles mehr.

Da ich darüber hinaus auch noch ein, besser gesagt zwei, absolute Spitzengewässer für Barben direkt vor der Nase hab (wohn eben mal 150m von der Donau weg, zur Isar sind´s grad mal 1,5km), war´s fast logisch mich damit genauer zu beschäftigen.

Komischerweise gilt die Barbe bei der Mehrzahl der Fischer hier als richtiger Minderfisch, der nur als Beifang an den Tauwurm geht. Blöderweise wird dieser „unerwünschte Beifang“ dann aber auch gleich mal abgeschlagen und verwurstet.... Komisch, Komisch....

Um es gleich mal vorweg zu nehmen – die Donau und Isar bieten heutzutage bei weitem nicht mehr den Barbenbestand wie noch vor 15 Jahren, als Tagesfänge von 10-15 Barben eher die Regel als die Ausnahme waren. Ursachforschung möcht ich auf dem Gebiet nicht betreiben, mein Blutdruck ist auch so schon hoch genug....

Trotzdem beiben beide Flüsse echte Topadressen für den Barbenangler. Es erfordert nun eben ein bisserl mehr Geduld als früher. Auch ein bisserl Vorbereitung schadet nie, obwohl es auch ohne geht. Wie, erfahren wir später.

Aber Ok, lassen wir das und wenden uns dem eigentlichen Thema dieser Schreiberei zu: dem Fischen auf Barben!

Wir bevorzugen eigentlich drei Varianten: Das Fischen mit dem Rollblei, Selbsthak-Methoden und ordinäres Grundfischen mit Durchlaufmontagen.

Feeder oder Picker, in der Form wie sie eigentlich gedacht sind, kommen bei uns kaum zum Einsatz. Zwar nutzen wir die Ruten, aber zu einem anderen Zweck. Davon aber später mehr.

Mein Gerät sieht folgendermassen aus:

Für große Distanzen und/oder hohe Bleigewichte nutze ich zwei Anaconda Sensible Touch-Karpfenruten mit einer Testkurve von 2,75lbs. Geringere Distanzen und weniger Blei zaubern meine 1,5lbs-Novell Barbel-Ruten aus der Werkstatt.

Beim Fischen mit dem Rollblei haben sich die oben erwähnten Feederruten(!!!) bewährt. 3,90m Länge und eine semiparabolische Medium-Heavy-Aktion passen super.

Wie vom Karpfenfischen her bekannt, bevorzuge ich relativ große Freilaufrollen wie die Tica Abyss oder Shimano Baitrunner.

Die Hauptschnüre passen sich dem Gewässer und Angelart an, liegen aber meist zwischen 0,20 und 0,30mm. Ich persönlich mag Schnüre wie die Shimano Technium, Mustad Ayaka oder die Super G-Line von Gamakatsu. Was aber nicht heissen soll, das nicht auch andere Hersteller gute Schnüre zu bieten hätten.

Banksticks würden als Ablagen eigentlich vollauf reichen, mir ist aber ein stabiles Rod-Pod deutlich lieber. Das Quantum High-Pod ist zwar nicht eben günstig, aber vielseitig genug, um neben dem Barben- und Karpfenfischen auch mal zwei Wallerbojen fest zu spannen.

An Haken hab ich so einiges probiert und vieles (das meiste) wieder verworfen. Stabile Karpfenhaken mit kurzem Schenkel, breitem Bogen und leicht geschränkter Spitze haben sich aber bewährt. Seit heuer ist mein Favorit der A1 G-Carp Teflon Coated von Gamakatsu, aber auch der Power Carp von Sänger ist gut.

Man sieht schon, ich hab beim Karpfenfischen abgekupfert das die Schwarte kracht.

Ähnliches gilt auch für meine bevorzugten Köder: Chunks, Pellets & Boilies. Beim Trotting auch Dendrobenas, Maden und Bienenmaden.

Nun zu den Angeltechniken:

1.    Das Fischen mit Pellets & Boilies

Es begann eigentlich vor ca. sechs, sieben Jahren als wir beim Karpfenfischen in der Donau immer wieder gehörige Barben an den Haken bekamen. Auf die Idee, das Ganze direkt und gezielt auf Barben einzusetzen kam ich aber erst vor etwa zwei Jahren, kurz nachdem darauf die erste Barbe mit über 20 (englischen) Pfund gefangen wurde. Was die Insulaner konnten, das sollt ich doch auch können.....

Anfangs nutze ich 16mm-Muschelboilies von Top Secret, gedippt in einem Muschel-Gel-Dip von Berkley. Der Erfolg war.... öhmm.... Durchwachsen! Zwar konnte ich einzelne Fische fangen, das Durchschnittsgewicht war auch höher als mit „normalen“ Ködern wie Wurm und Maden, aber der Bringer war´s bei weitem noch nicht.

Das Positive: Kaum mehr Fehlbisse und nur noch sehr wenig „Beifang“ wie Brachsen, Nasen und andere Weißfische. Ab und an „verirrte“ sich ein Karpfen, dann wurde es jedesmal Spaßig, das war´s aber auch schon.

Mein größtes Problem: Das Anfüttern!

In der Donau, auf kurze Distanzen, ging´s ja grad noch. Zwar verstreute auch hier die Strömung die Boilies, aber mit regelmäßigem Nachfüttern klappte es schon.

Mein persönlicher Problemfall war aber die Isar.

In der mächtigen Strömung, bei Tiefen von 1,5-2 Metern, blieb nichts, aber auch gar nichts, da liegen wo es sollte. Die erste Lösung waren Futterballen, in die die Boilies eingeknetet wurden.

Dieses Futter bestand aus fast 90% Paniermehl (stark klebend) mit 10% Rollsplit. Das Paniermehl hielt das „Futter“ zusammen und der Split machte es brachial schwer. So ging´s! Testwürfe ins flache Wasser hinter Sandbänken zeigte wie sich der Batzen langsam ausspülte und Boilie auf Boilie freigab. Der Nachteil: Die Batzen waren riesengroß! Etwa so wie eine richtig große Orange. Damit war bei 30m Wurfweite Feierabend! Aber Ok, der Anfang war ja mal gemacht und ich hatte was auf das ich aufbauen konnte.

Für meine „Steinbatzen“ wurd ich zwar Anfangs nur müde belächelt, aber wer Fängt hat Recht! HA!!!

Aber Gut! Die Muschel-Boilies waren halt immer noch nicht der Knaller. Meiner Meinung nach lag es an der fehlenden Auflösung der Ready-Boilies. Also ging ich bei einem bekannten Carp-Hunter – wieder mal – „in die Lehre“. Ich experimentierte viel mit Leber- und Fischmehl, getrockneten und geriebenen Bachflohkrebsen und sonst noch jeder Menge (mehr oder weniger) ekelhaften Zutaten. (Ich glaub, meine Frau hat heut noch Alpträume von meinen Koch-Orgien!) Und tatsächlich – je mehr ich die Ausspülung in den Griff bekam, desto erfolgreicher wurde die Fischerei.

Von den ganzen Experimenten wurd ich dann aber praktisch über Nacht erlöst. Die Lösung waren Pellets!

Zwar wurde mir von allen Seiten von dem Zeug abgeraten, weil sie sich in der Strömung in kurzer Zeit vom Haar lösen, ausprobieren wollt ich es aber auf jeden Fall mal.

Und es scheint so, als wäre ausgerechnet diese Auflösung der Schlüssel des Ganzen. Jetzt kamen die Bisse regelmäßiger, nur musste die Montage ein klein wenig angepasst werden. Die Vorfächer, die ich vorher etwa 20-25cm lang machte, waren zu lang. Mit kürzeren (nur ca. 10cm) Vorfächeren klappte es deutlich besser und auch Vertüdelungen beim Wurf oder Absinken wurden zur Ausnahme.

Möglichst exklusive Rig´s bringen meiner Ansicht nach übrigens nicht Bohne. Eine einfach No-Knot-Montage mit einem Saftey-Clip hat sich als die unaufwendigste und praktikabelste Lösung erwiesen. Ein glatter Fehlschuß waren übrigens Stiff-Rig´s, von denen ich mir (ausgerechnet) das meiste erhofft hätte.... Tja, so kann´s laufen.... ;-)

Ich nutze hauptsächlich Pellets ohne Loch. Das bohre ich (soweit vorher möglich) schon zuhause mit einem Drehmel-Bohrer vor. Durch die hohe Drehzahl brauchts fast keinen Druck auf den Bohrer, was das zerspringen der Pellets im Rahmen hält. Sollten doch welche zerspringen, kommen sie ins Futter.

Am Haken befestige ich sie mit einer Schlaufe, wie vom Frolic her bekannt. Baitbands üben zu viel Druck aus und beschleunigen das Zerspringen deutlich.

Wirklich schöne Erfolge hatte ich mit 14mm-Halibut Chunks von Dynamite Baits, von denen ich aber meist zwei am Haar habe. Der Haken bei den Dynamite Baits: auf Dauer wirklich Teuer!

Die Alternative: Danafeed-Pellets! Preis 63.-€ für einen 25kg Sack! Einfach mal bei der örtlichen Baywa oder einem Futtermittel-Vertrieb danach fragen.

Der Schlüssel zum Erfolg der Pellets ist also wirklich die Auswaschung, also ihre ach so gescholtene Auflösung. Und was ist der Grund für diese Auflösung? Der Mangel an Öl!

Das was beim Karpfenfischen als Langzeit-Geschmacksträger dient, ist beim Barbenfischen ausgerechnet im Weg! Also beim Kauf der Pellets immer auf einen niedrigen Öl-Gehalt achten.

Aber um jetzt keine Illusionen aufkommen zu lassen:

Pellets & Boilies sind keineswegs Wunderköder mit dem die Fische sich um den Haken prügeln. Ehrlich gesagt, sind sogar deutlich weniger Bisse zu verzeichnen als mit Naturködern. Wenn ich schätzen müsste, würd ich sagen, das Verhältniss liegt bei mind. 5:1 für die Naturköder.

Andererseits sieht es so aus, als würden Pellets & Boilies selektiv größere Fische an den Haken locken. Zumindest kann dann jeder Angler selber entscheiden was er will: Klasse oder Masse!

2.    Fischen mit dem Rollblei (neudeutsch Trotting)

Eigentlich müsste ich euch zu diesem Thema an meinen Spezl Meinhart verweisen, der wohl ohne Übertreibung diese Fischerei mit Abstand am besten von uns beherrscht.

Jetzt ist es aber nicht so als würden wir anderen nichts damit Fangen können, Meinhart ist aber darauf spezialisiert und somit hat er natürlich die meiste Übung und Fingerspitzengefühl. Und darauf  kommt´s zu einem guten Teil auch an und zwar Wortwörtlich.

Beim Trotting wird mit einem leichten Kugelblei ausgeworfen und während des Abtreibens nebenhergegangen. Dabei wird die Schnur immer zwischen den Fingerspitzen festgehalten und so die Bisse erkannt.

Aber wir weichen immer mehr zugunsten der Feederruten von unserem altbewährten Schema (leichten Spinnruten) ab.

Die Feederruten haben den Vorteil größerer Länge bei wenig Gewicht. Die Bisse werden hier über die Spitze (hoffentlich) erkannt.

Die Länge ist eine große Hilfe wenn mal über eine Uferbefestigung, Brennnesseln oder andere Hindernisse weggefischt werden muß und das Gewicht spielt deshalb eine Rolle, weil niemand nur eine halbe Stunde fischt und die Rute dauernd in der Hand gehalten wird.

Das Bleigewicht ist Abhängig von mehreren Faktoren: Strömung, Untergrund und Schnurstärke.

Klar, je mehr Strömung, desto schwerer muß das Blei sein, sonst wird aus Trotting plötzlich Running (ich weiß, blöder Witz!)....

Je gröber der Untergrund ist, desto leichter fällt das kleine Blei in die Zwischenräume zwischen den einzelnen Kieseln. Also kann es umso leichter sein, je größer die Kiesel werden.

Auch klar ist eigentlich, das eine dickere Schnur der Strömung mehr Angriffsfläche bietet und so mehr Bleigewicht erfordert.

Es ist also von fangentscheidender Wichtigkeit, das die komplette Gerätezusammenstellung von vorne bis hinten auf das jeweilige Gewässer und die aktuellen Bedingungen abgestimmt ist.

Es wird also ausgeworfen, das Blei sinkt auf den Grund und wird von der Strömung abgetrieben. Der Fischer geht nebenher und ertastet so den Untergrund und die Bisse.

Klingt erst mal einfach, stellt sich aber in der Praxis gar nicht so einfach dar. Vor allem die Bisserkennung erfordert einiges an Übung, weil oftmals nur einfach das Blei stehenbleibt. Das kann nun ein Biss sein oder das Blei ist schlicht und ergreifend in eine Lücke gefallen. Ok, ein Hänger kann´s auch noch sein....

Die Mehrzahl der Bisse sind aber relativ deutlich zu erkennen. Erst ein kleines Zuppeln, gefolgt von ein, zwei deutlichen Rucken. JETZT muß spätestens der Anhieb kommen!

Trotting ist eine sehr kurzweilige Sache, bei der man dauernd in Bewegung bleibt. Man lernst sehr viel über das Gewässer. Die Untiefen, Rinnen, Steine oder andere Hindernisse werden deutlich erkannt. Diese Erkenntnisse schaden nie bei anderen Angelarten.

Vor allem im Spätwinter und Frühjahr wird bei uns Trotting betrieben. Dann ist es deutlich erfolgreicher als stationäres Fischen, weil man mehr Fläche nach den Fischen absucht. Es klappt aber das gesamte Jahr über.

Als Köder haben sich Maden, Dendrobenas oder Bienenmaden bewährt. Also Köder, die der Fisch in einem Schmatz weghauen kann und nicht lange dran rumschlotzt.

3.    das ordinäre Grundfischen

Darauf möcht ich eigentlich gar nicht so sehr eingehen, weil ich finde, das so was zur Grundbildung jedes Fischers gehört.

Um damit selektiv Barben zu fangen, halte ich es auch nur für bedingt brauchbar, weil zu viele Beifänge an den Köder gehen. Eigentlich sind dabei die Barben der Beifang....

Hier ist Gerhard`s Kollege Meinhard mit ner schönen Barbe zu sehen. Von so ner tollen Kulisse können wir hier am Rhein nur träumen :(.

So, das war er nun, der erste Überblick über unsere Bemühungen den Barben auf die Schuppen zu rücken! Erwähnen möcht ich aber noch, das beim Zurücksetzen einer Barbe besondere Sorgfalt nötig ist. Beim Drill verausgaben sich die Fische komplett. Das kann so weit gehen, das die Barbe fast bewegungsunfähig wird. Einen solchen Fisch sollte man mit beiden Händen mit dem Kopf in Strömungsrichtung halten bis er von selber davonschwimmt und nicht einfach (wie leider schon des öfteren gesehen) in hohem Bogen ins Wasser schmeissen. Es ist einfach Schade um einen so schönen Fisch.

Und nun ganz zum Schluß: ICH KANN KEINE BARBEN MIT KÄSE FANGEN!!!!!!

Grrrrr........... ich glaub, ich hab´s schon zigmal probiert! Noch nicht ein Zupfer! Das Zeugs landet bei mir weiterhin auf dem Brot, nicht im Wasser und Gut is!

In diesem Sinne wünsche ich Euch immer

Tight Lines und viele Dicke

euer

Gerhard Sauer alias Schwarzfischer (barbenfischen.de-Forum)

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